Estland 21.-26.07.

Veröffentlicht am 24. Juli 2026 um 08:48

Estland ohne Tallinn

Ich fahre durch einsames, fast verlassenes Waldgebiet und merke gar nicht, dass ich die Grenze überquert habe. Es gibt keinerlei Kontrollen und das Schild habe ich scheinbar übersehen oder es gibt einfach keins. Ich reise nachmittags ein und campe unmittelbar an einem Storchennest Turm, einen Steinwurf entfernt liegen viele Seen und morgen besteige ich den höchsten Berg (diese Macke kennen ja einige von euch, in Deutschland fehlen nur noch Brandenburg, Baden-Württemberg und Bayern). Hier muss ich aber nicht hoch kraxeln (317 m). Auf meinem Campingplatz stehen Leute aus MK (Märkischer Kreis, meine Heimat) und der Mann ist sogar in Iserlohn aufgewachsen, Sachen gibt’s.

Am 22.07. heißt es also „der Berg ruft“, ich habe mich heute gegen eine große 15 Kilometer Wanderung entschieden, da es in dem Wanderführer hieß, dass das Potential sich zu verlaufen besonders groß wäre, da in verschiedenen Apps unterschiedliche Wege markiert wurden, also laufe ich 500 Meter zum Berg und wieder zurück J Das Wetter ist in den letzten Tagen eher wechselhaft, morgens sieht es häufig nach Regen aus, es regnet bisher aber nur, wenn ich Auto fahre oder abends – Glück gehabt. Mein weiteres Programm besteht darin weiter Richtung Osten auf endlosen Schotterstraßen und durch scheinbar verlassene Orte zu fahren, dass hier noch Menschen wohnen zeigt sich wohl daran, dass Autos vor den Häusern und Wohnblocks stehen. Scheinbar gibt es hier mehr Störche als Menschen, so viele Nester habe ich bisher gesehen und auch Störche, die plötzlich auf der Straße stehen, das erinnert mich stark an die Rentiere, die nördlich des Polarkreises die Straßen bevölkern. Im absoluten Nirgendwo unweit der russischen Grenze gibt es ein Höhlenmuseum (Piusa koobaste külastuskeskus), hier wurde 1920 Sand für die Glasherrstellung abgebaut. Die Arbeiter wohnten praktischerweise in Zelten in den Höhlen, krass, der Arbeitsweg wäre zu lang gewesen und der Bau von Baracken zu teuer. Heute dienen die Höhlen den Fledermäusen im Winter Quartier. Außerhalb der Höhlen gibt es eindrucksvolle Bilder auf die Sanddünen. Beim Einlass gab es übrigens Lehrerrabatt, ich musste keinen Ausweis vorzeigen, welchen auch?! Eine glaubhafte Versicherung reichte aus.

Weiter geht’s durch die Einöde nach Tartu. Die Stadt war 2024 Kulturhauptstadt und schlendere nur ein wenig durch die Stadt. An meinem Campingplatz am Hafen fahren regelmäßig die Ausflugsboote vorbei.

Zunächst scheint am 23.07. morgens die Sonne, aber der Tag zeigt sich wechselhaft und wieder recht kalt (in den letzten Tagen war es nur 15 Grad!). Zum Glück wird es abends etwas wärmer. Heute fahre ich von Tartu zur Halbinsel Käsmu, es ist wieder Wandertag - 12 km durch den Wald und entlang der Küste. Schon ungewöhnlich durch den Wald zu streifen und dabei das Wellenrauschen zu hören. Meistens bin ich nun im Baltikum zwischen 8 und 15 km gewandert, keine sehr große Herausforderung, wenn man bedenkt, dass die Höhenmeter sehr gering waren. Da geht demnächst noch mehr J Weiter geht’s Richtung Tallinn, ein kurzer Abstecher an einem kleinen Wasserfall vorbei (Jägala juga) bevor ich auf meinen besonderen Campinplatz nach Murru fahre. Hier wurde von 1938-2012 ein Gefängnis betrieben und in der Nähe des angrenzenden Steinbruchs übernachte ich. Die Audiotour ist ganz interessant, die Gebäude des Gefängnisses sind allerdings schon stark verfallen, der Sinn erschließt sich mir nicht, wie lange wollen sie das Museum noch betreiben? Auf dem Berg des Steinbruchs hat man eine gute Aussicht über das ganze Areal.


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