Am 27.06. geht es früh los mit der Fähre, um kurz nach 5 klingelt der Wecker, um kurz nach 6 stehe ich in der Schlange zur Fähre und warte. Es regnet natürlich, was sonst. Los geht es dann um 7:30 Uhr und die Überfahrt dauert nur 2 Stunden. Dann bin ich schon in Helsinki. Diese Stadt lasse ich aus, da ich bereits zweimal dort war. Also heißt es heute fahrn, fahrn, fahrn auf der „Autobahn“. Wenn man die Stadt hinter sich lässt, dann fährt man durch unzählige Wälder und an vielen Seen entlang. Ich fühle mich direkt im Land von Sauna, Grilli und Jäätelökioski wieder richtig heimisch. Nach ca. 380 km Fahrt reicht es mir dann und ich habe schon den besten Platz Finnlands entdeckt. Erst in diesem Monat eröffnet, die Besitzerin ist super nett und es gibt sogar eine Gitarre! Vom obligatorischen See und Sauna mal abgesehen, aber auf die Sauna, die es wirklich auf jedem Platz gibt, bin ich ja eh nicht wirklich scharf. Das verschweige ich mittlerweile, bevor ich mir wieder sämtliche Pro-Argumente anhören darf :)
Die nächsten Tage fahre ich durch die Nationalparks und gehe – was sonst – wandern. Dafür bin ich hier, ich finde dabei immer meine absolute Entspannung. Ganz gleich, wie lang der Weg ist oder wie anstrengend das auch mal sein mag. Wahrscheinlich werden meine Berichte nun kaum spannend und vielleicht sollte ich mich bei euch persönlich melden, wenn etwas Aufregendes passiert :)
Den Wanderweg durch die Schlucht von Orinoro habe ich am nächsten Tag komplett für mich allein, es geht über Stock und Stein durch einen verwunschenen Wald voller Blaubeeren. Die Mücken nerven etwas, sie finden dann sogar Stellen hinter! meinem Ohr, die ich nicht eingesprüht habe, da machste nix. Es ist mir mittlerweile egal, dass es zwischenzeitlich regnet. Ich bin einfach in meinem Element!
Ab dem 29.07. lässt sich die Sonne mal wieder blicken und es werden wieder über 20 Grad. Perfektes Wanderwetter, um im Koli Nationalpark die Aussicht über die vielen Seen und Wälder zu genießen (das muss ich mir aber auch erarbeiten, an diesem Tag geht es ordentlich auf und ab). Meine Tage sehen häufig so aus, dass ich bereits um 6 Uhr wach bin (da kann ich echt nichts gegen tun) und oft um 6:30 Uhr aufstehe, bisher hatte ich nur einen kurzen Anfahrtsweg von 15-20 Minuten und war oft schon um 8 Uhr auf dem Wanderweg, am frühen Nachmittag bin ich dann oft gute 2 Stunden Auto gefahren und konnte den Abend noch genießen.
Am nächsten Tag bin ich schon wieder olympischen Spuren unterwegs, in Vuokatti Skigebiet wurde der Sapporo Trail extra so angelegt, dass die finnischen Skilangläufer sich ideal auf die Olympiade 1972 vorbereiten konnten, auf dieser Strecke wandere ich. Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass dies die Originalstrecke ist, schließlich geht es durch dichten Wald und über die Skiabfahrtsstrecke, das wäre doch viel zu stiel…Auf dem Wanderweg sehe ich super viele Schmetterlinge und bisher habe ich in Finnland die meisten Libellen in meinem Leben gesehen. Wer Lust auf Natur hat, der sollte hier Urlaub machen! Zudem habe ich heute auch das erste Rentier im Vorbeifahren gesehen, weitere werden folgen.
Im Hossa Nationalpark bleibe ich zwei Nächte, da ich am 31.07. 2 Wanderungen miteinander kombiniere und nicht schon wieder weiterfahren will, eigentlich habe ich ja auch Zeit :) So laufe ich entlang einer Schlucht (Öllökyn ylitis – sieht immer aus wie eine Fantasiesprache oder rückwärts) über eine Hängebrücke und bei meiner zweiten Tour läuft mir im Wald doch tatsächlich ein Rentier fast in die Arme. Da waren wir beide wohl etwas überrascht. Später versuche ich einen Buntspecht zu fotografieren, klappt nicht so gut, denn immer wenn ich mich bewege, fliegt er ein paar Bäume weiter. Dieser Teil des Nationalparks (Värikallon karros) ist vor allem für seine Felszeichnungen berühmt. Vor 3300-7000 Jahren wurden diese Zeichnungen erstellt, besonders irre, dass die Felsen nicht von Land aus zugänglich sind, sodass die Zeichnungen von Booten aus oder vom zugefrorenen See entstanden sind.
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