Früh morgens, wie könnte es auch anders sein, bin ich bereit für das nächste Abenteuer. Am 01.08. heißt es noch ein wenig auf der Via Karelia zu fahren und jede Menge Rentiere zu sehen (mehr als 20 Tiere) Die sind wirklich überall und sie sind Nutztiere der Samen. Man stelle sich vor, dass in ländlichen Gebieten von Niedersachsen oder Schleswig-Holstein Kühe oder Schweine ganz entspannt auf der Straße entlanglaufen.
Es geht in die 270 km entfernte die Hauptstadt Lapplands (Rovaniemi) zugleich Wohnort des Weihnachtsmanns, das behaupten zumindest die Finnen. Bisher bin ich an Rovaniemi eher vorbeigefahren, der Weihnachtsmann war auch zweimal nicht da – einmal hatte er Corona und dann war er im Sommerurlaub. Also heißt es für mich „dreimal ist Bremer Recht“ auf zum Weihnachtsmann. Hier überschreite ich auch noch zu meinem Glück den Polarkreis, immer wieder ein Erlebnis – hier muss ich es mit vielen Besuchern teilen. Ab geht es danach ins Arktikum, ein interessantes Museum zu Natur und Kultur der Samen. Wer weiß schon, dass auch die Finnen 100 Namen für Schnee haben oder wenn es den Treibhauseffekt nicht geben würde, dass wir auf der Erde -19 Grad Durchschnittstemperatur hätten? Abends geht es dann noch ins Kino, im Vorspann wird natürlich darauf hingewiesen, dass man das Handy ausschaltet und seine Füße nicht auf den Sitz stellt, aber auch, dass man nicht zu laut lachen soll. Die Finnen sind schon was ganz besonderes! Sie grüßen auch nicht immer, selbst wenn sie dein Nachbar auf dem Campingplatz sind, sie könnten dich ja stören in dem, was du tust.
Die nächsten beiden Tage verbringe ich wandernd im Pyhä Luosto Nationalpark. So langsam werden die Berge nun auch höher (um die 500 Meter). In Luosto mache ich eine eher kürze und entspannte Wanderung, es geht aber über ziemlich viele Treppenstufen – zum Glück gehe ich für mich in die richtige Richtung und darf die Stufen nur runtergehen. In Pyhä wird es dann anspruchsvoll, ich frage mich mal wieder, ob das noch wandern oder klettern ist! Auf dem Gipfel habe ich wirklich atemberaubende Ausblicke auf die umliegenden Berge und Wälder. Jedoch auch auf die herannahende Gewitterfront. Auf dem nicht weit entfernten Berg regnet es bereits und ich höre es donnern. Also schnell wieder runter, zum Glück ist der weitere Weg nicht ganz so schwierig. Die tiefste Schlucht sehe ich nur im vorbeigehen, hier will ich nicht über Metalltreppen gehen. Wenn ich dachte, dass ich vorher wie eine Schnecke über die Felsbrocken gekrochen bin, dann ist nun das Duracellhäschen bzw. Road Runner unterwegs. Kaum 45 Minuten später als ich im Auto bin, gewittert es ordentlich – Glück gehabt. Nur komisch, dass mir zig Wanderer im Schlenderschritt entgegenkamen, die IN den Wald gegangen sind.
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