Pallas-Ylläs Nationalpark und Inari 04.08.-08.08.

Veröffentlicht am 11. August 2026 um 19:26

Auf geht’s in meinen Lieblingsnationalpark Finnlands. Jedes Mal, wenn ich in Finnland war, bisher ist es das dritte Mal, dann war ich hier. Beim ersten Besuch musste ich dann wieder schnell nach Hause fahren, denn der Urlaub war bald vorbei. Nun habe ich Zeit den gesamten Park wiederzuentdecken. Am 04.08. ist es mit dem guten Wetter allerdings vorbei, nach dem Gewitter am vorherigen Tag sah es noch so schön und sonnig aus, aber der Abend war bereits verregnet. So fahre ich nach Äkäslompolo und mache an diesem Tag so ziemlich NICHTS, das heißt dann konkret einkaufen gehen, lesen, Ukulele spielen. Es hat sich zudem mächtig abgekühlt und die Temperaturen kommen heute nicht über 10 Grad.

Am nächsten Tag habe ich wirklich Glück, nach anfänglichem Nebel, der Campingplatz liegt superschön zwischen Fluss und See, es sind kühle 6 Grad, kommt dann nach und nach die Sonne raus. Das merke ich natürlich erst auf dem Wanderweg. Den scheine ich oft morgens zu „eröffnen“ – fast wie in der Schule :) Niemand ist unterwegs, ich höre nur die Vögel zwitschern und die Bäume rauschen. Es geht zunächst durch einen verwunschenen Wald, danach durch eine Schlucht, zum Glück ist der Weg hier eben und ich muss mich nicht schon wieder durch die Steine kämpfen! Atemberaubende Ausblicke, sei es auf den Ylläs (719 Meter), den ich gleich erklimmen werde oder auf die umliegenden Berge und natürlich Wälder. Die Gondel hätte ich natürlich auch nehmen können, aber das geht ja gar nicht! So kämpfe ich mich dann eher durch das letzte Stück, da der Weg nicht so ganz klar ist, beim Aufstieg vor 3 Jahren gab es noch einen Weg, da wo ich gerne langmöchte, nun wird hier eine Mountainbike Strecke mit vielen Steilkurven und Hügeln gebaut. Na wie gut, dass mir niemand entgegenkommt. Auf dem Gipfel gibt es eine Schaukel, wo gibt es schon so was?! Nach kurzer Rast geht es wieder hinab, neben den vielen Blaubeeren habe ich heute sogar eine Moltebeere entdeckt, super selten und „das Gold Lapplands“. Zudem sind mir noch 2 weiße Rentiere begegnet, krass, denn nur 3% aller Rentiere sind weiß!

06.08. oder Tag der Rentiere – Bereits zum Frühstück begegnen mir mehrere Rentiere auf dem Campingplatz, ich hätte dann doch ein wenig Respekt, wenn ich jetzt im Zelt übernachten würde. Auf der Fahrt in die Mitte des Nationalparks begegnen mir heute noch einige Tiere, sogar wieder weiße. Auch vor dem Visitor Center scheinen sie gerne abzuhängen. Heute besteige ich den Taivaskero (809 Meter), ein schöner Weg, der zwar stetig bergauf geht, aber ziemlich einfach zu begehen ist. Der Berg hat schon wieder etwas mit den olympischen Spielen zu tun. 1952 wurde hier im Schein der Mitternachtssonne die olympische Flamme entzündet. Ein Rentier hätte ich heute nicht gebraucht und zwar, dass es sich entschied ziemlich schnell aus dem Wald zu kommen. Normalerweise gehen sie eher entspannt und gemächlich auf der Straße und sind von Weitem meist gut zu sehen. Der Bremstest bei 60 km/h wurde nun per Vollbremsung bestätigt. Fahrerin und Rentier sind wohlauf. Abends organisiere ich mir noch das Boot, welches Teil meiner Wanderung ist und das geht so: In einem Multifiunktionsgeschäft, bestehend aus Juwelier, Souvenirs und Bootstouren buche ich meine morgige Tour. Das gestaltet sich nicht sehr leicht, denn die Besitzerin spricht nur finnisch und google Übersetzer ist nicht besonders hilfreich. Ich bin ganz froh, dass eine Dolmetscherin aus Fleisch und Blut schließlich weiterhelfen kann.

Am nächsten Morgen stehe ich um kurz vor 9 Uhr vor dem Multifunktionsgeschäft. Immerhin spricht der Käptn ein wenig Englisch. Ich fahre in einem Holzboot über den Fluss und er erzählt, dass zweimal eine Miss Finnland schon mitgefahren wäre. Sonst bringt er Wanderer über den Fluss, die den Weg von Hetta nach Ylläs (125 Kilometer) wandern, so weit bin ich noch nicht. Hin und zurück auf den ersten Berg Pyhäkero (713 Meter) sind es dann doch 23 Kilometer. Abends bin ich ganz schön platt. Trotzdem erfreue ich mich an der Farbenpracht auf der Wanderung und die Rentierherde, die mich immer wieder am Berg begleitet. Die Mittagspause mit Blick auf den Bergsee ist auch nicht schlecht, aber der Wind pustet mich heute auch ordentlich durch.

Am 08.08. fahre ich bestimmt über 100 Kilometer auf einer Buckelpisten-Schotterstraße nach Inari, dies ist eine offizielle „Bundesstraße“, sie kommt mir aber eher vor wie eine Forststraße durch den Wald. Schließlich sehe ich auch einige Waldarbeiter, die Stoßdämpfer werden auf jeden Fall ordentlich geprüft. Ich bin froh, dass sich die Rentierdichte in Grenzen hält, sodass ich mich auf die „Straße“ konzentrieren kann. Kurz vor Inari halte ich kurz bei den Stromschnellen Jäniskoski an. Ich hatte vor mir heute ein Rad zu leihen und die Gegend um den größten See Finnlands (mit 3380 Inseln) zu erkunden, davon wird mir beim Verleih abgeraten, da die Wege hier viel zu steinig wären – na, die schonen aber ihre Räder!

Also heißt es wieder wandern, aber witzigerweise nehme ich dafür heute wieder ein Boot. Vielmehr einen Katamaran, die Fahrt dauert auch fast 2 Stunden, gestern waren es gerade einmal 10 Minuten. Es geht zur Einsiedlerkirche, an Ostern und Mittsommer werden hier heute noch Gottesdienste abgehalten, also darfst du Minimum 3 Kilometer einen Weg dorthin laufen. Nichts im Vergleich dazu, wenn man bedenkt, dass der Gottesdienst im 17. Jh. Im Winter 1-1,5 Wochen dauerte! Hier glaube ich vor allem an einen Übersetzungsfehler auf der Infotafel J Der Weg geht durch ein felsiges Waldgebiet und an vielen Seen vorbei. Ich habe absolut Glück mit dem Wetter und auch freue ich mich, dass ich es heute mit gut 10 Kilometern etwas lockerer habe angehen lassen.

Es kommt mir so vor, als würde der Herbst vor der Tür stehen, die ersten Blaubeersträucher färben sich orange. Die Sami kennen übrigens 8 Jahreszeiten. Haben wir noch Sommer oder ist es bereits Herbst-Sommer? Ich bin gespannt, wann es losgeht und wie kalt es dann ist. Die Temperaturen klettern selbst bei dem schönen Sonnenschein der vergangenen Tage auch nur noch auf 17 Grad, aber es fühlt sich trotzdem wärmer an. Ich heize mich auf dem Wanderweg ja meist irgendwie mehr auf :)

Meine Ausführungen zum Pallas-Ylläs Nationalpark sind wahrscheinlich sehr ausführlich, ich liebs hier einfach so sehr. Wer mal in Finnland sein sollte, der sollte den weiten Weg hierher auf jeden Fall auf sich nehmen!

Übrigens schleppen die Finnen gerne viele Lebensmittel in den Wald, um sich dann an einer Holzhütte niederzulassen, ein Feuer anzuzünden und am besten noch ne Wurst am Spieß zu grillen. Finde es ja immer noch irgendwie merkwürdig in einem Naturschutzgebiet umgeben von Bäumen, ein Feuer zu machen.


Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.