Kirkenes – Insel Magerøya – Alta 14.08.-20.08.

Veröffentlicht am 22. August 2026 um 15:43

Kaum zu glauben, aber am 14.08. ist der Sommer zurück, in Kirkenes werden es heute 20 Grad. Fast schon ein bisschen zu warm dieser Temperatursprung, nein Quatsch :) Auf der Fahrt kann ich immer mal wieder auf die Varanger Halbinsel zurückblicken, warum sind die schönen Orte immer so weit weg?! Zudem fahre ich noch an spektakulären Stromschnellen vorbei. Mittags sehe ich mir die Bunkeranlage an, die für die Zivilbevölkerung errichtet wurde. In der gesamten Stadt und in der Umgebung gibt es einige Spuren des Krieges, sei es durch alte Flugzeugteile (hatte mich schon gefragt, weshalb ich auf Varanger teils verrosteten Stacheldraht entdeckt hatte) oder einige Bunker. In dem Bunker der Stadt sind es nur 4 Grad, also fast die Temperatur der vergangenen Tage. Der Guide ist Deutscher, komisch, habe in den letzten Tagen einige deutsche Auswanderer getroffen, die hier am Ende Norwegens arbeiten. Hänge sonst noch meine Zeit ein wenig in der Stadt ab, denn viel zu entdecken gibt es hier nicht. Am späten Nachmittag stehe ich dann „wild“ mit Ausblick über der Stadt. Für einen Parkplatz am Hafen ohne Service bin ich nicht bereit 300 NOK zu bezahlen.

Der nächste Tag jagt mir einen kleinen Schrecken ein, nach einer kleinen Einkaufstour fahre ich zur Tankstelle und danach springt Qupi nicht mehr an. Ähh, ich habe natürlich richtig getankt und es handelt sich natürlich um eine Tankstelle OHNE Service. Nach mehreren Startversuchen rufe ich den ADAC an. Das Telefongespräch mit dem Mann in München ist durchaus amüsant (fand ich in dem Moment nur etwas nervig), aber ich führe es hier mal auf:

Ich: Ich habe eine Panne, ich bin in Norwegen, Kirkenes. Das Auto springt nicht mehr an.

Er fragte dann wirklich alles ab, von Infos über Farbe des Fahrzeugs, Größe etc. – das müsste denen eigentlich bekannt sein und wird sonst nie abgefragt, aber dann kam es…

Er: Befinden Sie sich auf der Rückreise?

Ich: Naja, geht so. Ich fahre jetzt nach Süden, also prinzipiell ja.

Er: Dann teilen Sie mir Ihr Rückreisedatum nach Deutschland mit.

Ich: 31.10.26.

Er: Habe ich Sie richtig verstanden? Sie meinen Oktober?

Ich: Ja, ich habe etwas Zeit.

Er: Dann befinden Sie sich also auf einer Rundreise? Dann trage ich das dann mal so ein.

Es regnete heute natürlich in Strömen, die Situation hätte kaum blöder sein können, ABER immerhin war ich in einer Stadt und nicht sonst wo…meine Sorge war dann, dass ich das Schiff nicht bekomme, was ich mittags bekommen musste. Nach einer Stunde Wartezeit hat dann der norwegische Mechaniker mit seinen magischen Händen, wie er sagte, das mal wieder hinbekommen. Keine Ahnung, ich hoffe dergleichen passiert mir nicht noch einmal! Nach diesem Erlebnis bin ich dann froh, dass den restlichen Tag alles wie geschmiert funktioniert. Selbst dem Wetter kann ich noch etwas abgewinnen, denn es ist viel mystischer bei Regen und Nebel an der Varanger Halbinsel vorbeizufahren. Schon irre, dass mir die ein oder andere Ecke bekannt vorkommt :) Schon komisch nun mit den Hurtigruten und mit so vielen Menschen unterwegs zu sein. Obwohl langsam bin ich darin Profi, denn dies ist meine 4. Teilstrecke, die ich bereits fahre.

Am 16.08. heißt es noch früher aufstehen als sonst, um 5:45 Uhr legt das Schiff für 15 Minuten an, ist doch eher ein Arbeitsschiff, auch wenn das in Deutschland schon lange ganz anders verkauft wird…In Honningsvåg sind natürlich alle auf Mission Nordkap unterwegs. Ich habe vor zum „echten Nordkap“ zu wandern (20 Kilometer insgesamt). Guter Plan, nur das Wetter spielt so gar nicht mit. Nach 4 Kilometern gehe ich zurück, ich sehe einfach im Nebel nicht wirklich etwas. Klar, den Weg, falls man den so nennen mag, den sehe ich schon, aber ich beschließe dann umzukehren. Langsam muss ne einfache Wanderung her, damit ich nicht ständig abbreche :) Nach kurzem Stopp beim Campingplatz fahre ich zum Finnmark Festival, das ist ne ganz kleine Nummer hier, ich falle doch stark auf. Immerhin sieht man hier die schönsten selbstgestrickten Norwegerpullover und auch im Ort gibt es keinen Nebel, was für eine Landschaft.

Alta – Det blir regn i kveld og i morgen tildig. So oder so ähnlich sehen in den kommenden Tagen meine Wettervorhersagen aus, na dann doch lieber kälter und Sonnenschein, aber was solls, ändern kann ich es eh nicht. Nach 200 Kilometern und gut 3 Stunden Fahrt im Regen durch spektakuläre Landschaft komme ich in Alta an. Für viele ein Ort der Durchreise, ich war hier schon häufiger wandern bzw. ist Hjemmeluft berühmt für die teils 7000 Jahre alten Felszeichnungen. In Alta bzw. Hjemmeluft absolviere ich zwei kürzere Touren, am Montag werde ich so richtig nass und auf dem Gipfel sehe ich natürlich nichts – war klar – aber egal! Zudem schaue ich auch noch mal bei den Felszeichnungen vorbei.

Haldetoppen – Ein Weg, den ich unbedingt noch einmal wandern wollte. Auf einer vergangenen Tour nach Norwegen vor 4 Jahren, habe ich diesen unwirklichen Berg bereits bestiegen. Damals bin ich direkt wieder zurückgegangen. Nun ist der Plan auf dem Polarlichtobsevatorium zu übernachten. Wäre ja schön gewesen, wenn das Wetter besser wäre…aber nun bin ich hier! Mordor ruft – ich komme! Zunächst habe ich noch auf den ersten 300 Metern einen ganz guten Blick auf die Stadt, den umliegenden Fjord und die Berge, danach versinkt alles im Nebel und irgendwann auch im Nieselregen. Ich bin schnell nassgeschwitzt und fluche ein wenig vor mich hin – Alter! Alter in Alta geht immer :) Auf dem Weg begegne ich einer Schar von Jugendlichen, die mit ihrem neunten Jahrgang einen Ausflug machen und auf 300 Metern zelten werden. Ich finde es einfach so genial, dass das „Friluftsliv“, also das draußen leben/sein Teil des Stundenplans und der norwegischen DNA ist. Auch wenn ich irgendwann nicht mehr viel vom Weg bzw. der weit entfernten Landschaft sehen kann, ist mir das herzlich egal. Hier will ich nun unbedingt rauf, wäre ja auch schön blöd mit meinem ca. 8 Kilo schweren Gepäck wieder umzukehren und auch die Bachüberquerung, vor der ich vorher echt Respekt hatte, meistere ich spielend. Kann es nur nicht fassen, als es noch 300 Höhenmeter sind und es noch 2 Kilometer steil nach oben geht. Zwischendurch begegnen mir natürlich einige Rentiere, sie scheinen teils mit mir zu wandern und wir beobachten uns öfter gegenseitig. Auf dem Gipfel angekommen bin ich doch etwas durchgefroren, nichts ist zu sehen, egal! Ich mache in meiner Hütte erstmal Feuer und heize mir die heute konstant auf 30 Grad ein, dann mache ich mir selbst mal ne Sauna :) Nach einer Weile kommen noch einige Schüler und Lehrkräfte auf den Gipfel, die sind natürlich froh, dass die Hütte auf ist und ein warmes Feuer brennt. Diese Hütte kann man nämlich nur mit einem Schlüssel des norwegischen Wandervereins öffnen. Den restlichen Abend verbringe ich mit Holz hacken, lesen, essen und einfach nur sein. Der Wind pfeift um die Hütte und es ist jedes Mal ungemütlich, wenn ich sie verlassen muss, um auf die Toilette zu gehen. Der Abstieg am nächsten Tag dauert dann keine 3 Stunden, hoch habe ich 4 gebraucht. Es ist echt irre, je tiefer ich gehe, desto mehr trete ich aus dem Nebel hervor und kann immer mehr dieser atemberaubenden und einmalig schönen und farbenfrohen Landschaft erkennen. Am Ende des Weges kommt sogar die Sonne raus. Wer weiß, vielleicht wäre es schöner gewesen heute hochzugehen, aber wer hätte gedacht, dass sich das Wetter doch noch ändert. Ich bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich kehre auf meinen Campingplatz in Alta zurück, nichts drängt mich gerade. So genieße ich die Dusche und backe mir danach Waffeln natürlich typisch norwegisch mit "rømme og syltetøy" mit Blick auf den Fluss. Schöner kann es gerade nicht sein!

Übrigens hängen meine Norwegischkenntnisse ganz von meiner Energie ab die Sprache auch zu sprechen. Sämtliche Unterrichtsbücher, die ich dabeihabe, liegen tief im Bus verstaut. Ich übe mich da eher praktisch, um im Supermarkt nach Dingen zu fragen oder auch im Buchhandel nach Büchern zu suchen. Auch auf der Fahrt mit den Hurtigruten kann ich an der Rezeption durchaus sagen, was ich möchte. Es ergeben sich sogar Dialoge, die ich häufig ganz gut verstehe, mein Wortschatz ist häufig nicht der Knaller, um da auf alles zu reagieren. Wenn mich allerdings jemand anspricht, dann habe ich häufig verloren :)


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