In den Lyngen Alpen 21.08.-28.08.

Veröffentlicht am 30. August 2026 um 10:13

Unglaublich, dass ich bereits seit Montag mehr oder weniger in Alta bin. Also so langsam heißt es, dass ich weiterfahren sollte. Den Alta Canyon lasse ich nun zum vierten Mal links liegen und fahre lieber in die Lyngen Alpen. Auch hier war ich schon einmal, empfand die Zeit mit 2 Wanderungen viel zu kurz, zudem ist das Gebiet um den Lyngen Fjord ziemlich groß. Auf der Fahrt kann ich bei bestem Wetter noch mal einen Blick zum Haldetoppen werfen. Es ist doch wirklich irre, wo man sich manchmal so hochschleppt :) Auf den 200 Kilometern nach Storstein könnte ich ständig anhalten so schön und abwechslungsreich ist die Landschaft. Mir würde nicht im Traum einfallen auf der Fahrt auf der A1 ständig eine Pause einzulegen, um die Landschaft zu fotografieren. Hier wechselt sich ein Fjord nach dem nächsten ab und auch bei den Bergen kann man genau die Baumgrenze oder auch kleinere Wasserfälle sehen. Die Berge werden immer höher und sehen immer spektakulärer aus. Zudem fahre ich heute bestimmt durch mehr als 30 Tunnel. Zunächst geht es mit der Fähre auf die Insel Arnøya und da ich nicht den ganzen Tag faul rumsitzen kann, muss ich natürlich noch n Berg erklimmen. Immerhin geht es, wenn auch steil bergauf, angenehm auf einem Schotterweg auf den 850 Meter hohen Trolltinden (6,5 km ein Weg). Es sind heute 17 Grad, es kommt mir vor als wäre der Sommer noch einmal ausgebrochen, auch wenn sich die Birken hier und da schon etwas färben und das Fjell nun auch immer gelber wird. Auf der Tour begegne ich bestimmt 20 Rentieren, die mir gespannt beim Wandern zusehen. Eine wirklich schöne Tour, nach jeder Kurve gibt es einen neuen Ausblick über weitere Berge und den Fjord. Irgendwann bin ich sogar über den Wolken, da kommt mir natürlich Reinhard Meys Lied in den Sinn, meine Freiheit ist ja gerade auch grenzenlos :) In Ermangelung eines richtigen Campingplatzes auf der Insel bleibe ich einfach an meinem Fjord, hier ist eh Einbahnstraße und die umliegenden Häuser sind weit genug entfernt und ich störe hier niemanden. Ich habe direkten Blick zum Gipfel und auf den Fjord.

Am nächsten Tag ist der Blick auf den Gipfel durch die tiefhängenden Wolken nicht mehr gegeben. Ich fahre zunächst an das andere Ende der Insel und werde dort eine kleine 5 Kilometer Rundtour gehen. Das ist zur Abwechslung auch mal ganz schön. Jedoch habe ich die falsche Schuhwahl getroffen, der Weg ist recht matschig, da sind meine Turnschuhe und auch die Hosenbeine schnell nass, da der Weg wirklich schmal ist. Macht nichts! Es erwartet mich ein sehr abwechslungsreicher Weg, entlang krüppeliger Birken, Seen, Wasserfällen, riesiger Steine und einem Strand. Zudem sehe ich bei einem Rentier, dass es das Geweih schon auf Winter umgestellt hat, das flauschige löst sich ab. Um 10:30 Uhr fahre ich zurück zum Festland, weiter geht es nach Süden. In Spåkenes gibt es einen Weg, der den 2. Weltkrieg in der Region thematisiert, das interessiert mich tatsächlich nur am Rande. Ich achte mehr auf die riesigen Pilze und die Farbenpracht – hier blüht die Heide. An einem Fjord weiter südlich fahre ich auf einen Campingplatz, ich spekuliere auf eine gute W-Lan Verbindung, um den BVB ruckelfrei zu sehen.

Das Spiel war ja wohl nicht ruckelfrei, was aber nicht an meiner Internetverbindung lag. Am 23.08. scheint nicht ganz so mein Tag zu sein. Der Plan ist den höchsten Berg Finnlands (Halti) zu erklimmen, das macht von norwegischer Seite mehr Sinn, da es nur 18 Kilometer sind. Von finnischer Seite müsste man 60 Kilometer (eine Tour) durch das unmarkierte Fjell gehen – das ist für mich keine Option. Leider müsste ich auf norwegischer Seite eher „off road“ fahren und sinnvoller wäre ein Allradantrieb. Ich bin an diesem Tag hin und hergerissen. Die Entscheidung „vernünftig“ zu sein ergibt sich daraus, dass ich auf der Straße dorthin bereits keinen Handyempfang habe, wie eigentlich so oft in den letzten Tagen, wenn ich wandernd unterwegs bin. Ich muss aber nicht wirklich im Nirgendwo eine Autopanne haben! So gibt es zwei eigentlich schöne Alternativrouten zur Gorsabrua mit einer krassen Schlucht und vielen Wasserfällen, hier könnte man auch Bungee springen – nein, danke :) In Skibotn wandere ich dann auch noch ein paar Berge hoch, bzw. werde ich irgendwann durch sehr matschige Wege ausgebremst. So ganz kann ich die wunderschöne Landschaft gar nicht genießen, hänge immer noch dem „Halti“ nach.

Neuer Tag, neues Glück. Wie gut, dass ich mich sehr oft immer wieder neu begeistern kann. Morgens habe ich echt den besten Ausblick auf den Fluss und den gegenüberliegenden Berg. Über den Campingplatz flitzen Hasen und Eichhörnchen. Ich muss gar nicht weit mit dem Auto fahren, um den nächsten Wanderweg „neu zu entdecken“. Leider ist der Weg zum Wanderweg auch eher ein wenig „off road“, aber es ist schon noch ok. Irgendwann beschleicht mich zudem ein Gefühl, dass ich hier schon mal war und richtig, den Norddalen in Kitdåalen bin ich schon einmal gewandert. Auch damals war der Einstieg zum Wanderweg nicht leicht zu finden und als ich nach dem Weg fragte, fuhr der Norweger einfach mit seiner Enduro vor, um mir diesen zu zeigen. Das ist echt unglaublich, wie freundlich, entspannt und hilfsbereit die Menschen hier sind. Im Supermarkt wird noch mit der Kassiererin geschnackt und keiner ist oder wirkt gestresst, klar in Oslo ist das bestimmt auch anders. Der Wanderweg schlängelt sich entlang des Berges und ich habe einen tollen Ausblick auf einige Wasserfälle, mehrere Seen und wie könnte es anders sein, eine Rentierherde, die aber eher vor mir wegläuft. Es kommt sogar die Sonne raus und 14 Grad wirken erst warm und als der Wind ordentlich weht, dann doch wieder ganz schön kalt.

Am 25.08. geht es zum Steindalsbreen Gletscher. Diese Tour lässt mich immer wieder staunen. Zunächst geht es durch einen kleinen Birkenwald, immer wieder auf und ab. Am Wegesrand wachsen Himbeeren – lecker, mal was Neues :) Zudem gibt es einige Informationen über Flora, Fauna und historische Ereignisse auf diesem Weg, wie z.B., dass 1848 eine Frau an einem Stein mitten im Wald ein Kind geboren hat. Die Farbenvielfalt ist heute noch einmal genialer, mir fehlen echt die Worte. Ich laufe entlang eines Gletscherflusses, sehe mehrere Wasserfälle und irgendwann eröffnet sich mir der Blick auf den Gletscher. Auf diesen gehe ich eine Weile zu, aber irgendwann muss ich leider umdrehen. Auf dem Weg zu meinem nächsten Campingplatz muss ich durch einen kaum beleuchteten einspurigen und kurvenreichen 3 Kilometer langen Geisterbahntunnel fahren, diese Aufregung kann mir heute gar nichts anhaben :)

Die Wettervorhersage hat Wort gehalten, gestern hat es nachmittags und abends noch ordentlich geregnet und heute scheint tatsächlich die Sonne bei 12 Grad. Hört sich frisch an, in der Sonne und ohne Wind ist das aber ganz in Ordnung. Sehe morgens erst mal, auf welchem schönen Fleckchen Erde ich hier stehe. Berge rundherum und ich habe einen fantastischen Blick auf den Fjord. Was will man mehr? Na klar, ne Wanderung im Lyngsdalen mit Blick auf die höchsten Gletscher der Lyngen Alpen. Dafür brauche ich nur meine Sportlerbeine und Motivation. Mit beidem im Gepäck, obwohl die Beine langsam schwerer werden (jeden Tag über 10 Kilometer laufen, heute werden es 15 sind ganz schön ordentlich). Die Tour hat nicht nur ihren landschaftlichen Reiz, da ich entlang des Gletscherflusses einige Wasserfälle sehe und auf die Gletscherwand zugehe, sondern auch der Weg selbst ist total abwechslungsreich. Es geht über Stock und größere oder kleinere Steine und auch durch teils eher matschiges Sumpfgebiet. Das mag ich total, wenn sich der Weg häufig ändert :) Gegen Ende des Hinwegs ist es möglich noch zu einer Hütte zu gehen bzw. über die Brücke auf die andere Seite zu gelangen. Ich gehe noch ein Stück Richtung Gletscher und habe wirklich ein geniales Panorama. Blick auf den Gletscherfluss und 3 Gletscher vor mir, Wahnsinn! Der Rückweg auf der anderen Seite wird wohl nicht häufig genutzt, ist dementsprechend schmal. Hier laufe ich durch Heidelandschaft bzw. recht unmittelbar am Fluss entlang und quere kleinere Bäche. Das Gras ist teils so hoch, dass meine Hosenbeine super nass sind und die hohen Wanderschuhe auch, mal abgesehen von dem ganzen Dreck! Nach der Tour muss ich im Supermarkt ein komisches Bild mit meinem humpelnden Gang und der kurzen Hose abgegeben haben. Ich habe schon häufig gedacht, dass ich evtl. 1000 Kilometer auf dieser Reise wandern werde, bei 110 Tagen und fast jeden Tag über 10 Kilometern wird das wahrscheinlich hinkommen…

Auch am 27.08. meint das Wetter es gut mit mir, die Sonne scheint :) Heute geht es hoch hinaus, ca. 1000 Stufen muss bzw. möchte ich erklimmen. Was ich mir dabei gedacht habe, weiß ich auch nicht. Schließlich habe ich mittlerweile einen ordentlichen Muskelkater in den Waden. Für den Ausblick muss man eben einiges tun J Heute schaffe ich es aber nur mit musikalischer Unterstützung von Queen. Immerhin kann ich immer mal wieder anhalten, um die Aussicht zu genießen oder einfach mal durchzuatmen. Auf den Fotos sieht man echt nie, wie steil das alles so hochgeht. Der Ausblick am „Verdens Ende“ ist aber einfach genial! Nach unten geht es dann eher steil bergab, da wünsche ich mir fast die ungleich großen Sherpastufen zurück. Die Tour ist mit ca. 6 Kilometer nicht gerade lang, so habe ich dann mal wieder Zeit Waffeln zu backen und Wäsche zu waschen, mal schauen, ob die bei 12 Grad im Wind trocknet…Außerdem treffe ich ein älteres Paar aus Rostock wieder, mit denen ich mich bereits vorgestern auf einem anderen Campingplatz ausgetauscht habe. Dasn Ding! Bei gutem Wetter tauschen wir unsere weiteren Reisepläne aus.

Am nächsten Tag klingelt der Wecker bereits um 6 Uhr, denn bevor es nach Tromsø geht, fahre ich von Svensby noch etwas weiter nördlich, um zum Gletschersee Blåisvatnet (8,4 km Weg insgesamt) zu wandern. Zudem möchte ich mittags die Fähre nehmen. Wie magnetisch haben mich die Gletscher in den letzten Tagen angezogen (schließlich laufe ich ja immer darauf zu). Das Wetter spielt auch heute super mit und es werden tatsächlich noch einmal warme 17 Grad! Zum Gletschersee kommt man nur, wenn man kleine, mittelgroße, große und teils riesige Steine überwindet. Es lohnt sich wie immer und dadurch, dass ich so früh unterwegs bin, habe ich den Gletschersee für mich und die Sonne steht noch nicht so hoch, dass ich noch einigermaßen etwas sehen kann. Das Wasser glitzert mehr oder weniger blau. Zwischendurch erfahre ich, dass der norwegische König gestorben ist. Vor ein paar Tagen hatte ich bereits im Radio gehört, dass es nicht gut um ihn steht. Ich befinde mich gerade auf einem Weg, den Kronprinz Haakon vor einigen Jahren eingeweiht hat, was für ein Zufall. Die norwegische Königsfamilie sind auch echte Wanderratten. In Tromsø wehen hinterher alle Fahnen auf Halbmast.


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