Ein Wochenende in Tromsø 28.-30.08.

Veröffentlicht am 2. September 2026 um 17:45

Mittags nehme ich die Fähre in Svensby. Der Verkehr in Tromsø überfordert mich ein wenig, doppelspurige Kreisverkehre bin ich schon länger nicht mehr gefahren. Ich lasse den Sommer auch noch einmal zu, bei 17 Grad und Sonne kann man schon mal mit T-Shirt und kurzer Hose in die Stadt gehen. Gleichzeitig sehe ich genügend Leute, die schon Lust hatten, ihre Daunenjacke auszuführen. Ich gehe zielgerichtet durch die Stadt und vor allem zum Frisør, da war ich überfällig. Zunächst weiß ich nicht so, ob ich Mohammad vertrauen soll, da er häufiger mal telefoniert und auch mir hat er einiges zu erzählen (Verwandte in Deutschland, seine Campingleidenschaft etc.), aber an und für sich bin ich ganz zufrieden und lasse den Abend dann auf dem Campingplatz ruhig ausklingen. Ich finde es etwas merkwürdig, dass es hier so hell ist, schließlich waren wir im Dezember/Januar bei Dunkelheit, Polarlichtern und sehr viel Schnee hier.

Am Samstag muss ich natürlich erst noch einmal wandern gehen und zwar auf Tromsøs Aussichtsberg den Fjellheisen, 1200 Sherpastufen warten auf mich. Meine Motivation ist groß, aber meine Sportlerbeine machen so langsam echt nicht mehr mit. Ich komme mir vor als würde ich wie eine Schnecke die Stufen hochkriechen, als ich einen Abkürzungsweg entdecke und mir vielleicht 400 Stufen spare, bin ich ganz froh. Die Aussicht ist fantastisch, je höher ich komme. Auf dem Berg selbst steppt natürlich der Bär, da sogar 3 Hurtigruten-Schiffe gleichzeitig im Hafen liegen. Also laufe ich natürlich weiter den Berg hoch bis zum 671 Meter hohen Fløya. Auf dem letzten Kilometer weht ein ordentlicher Wind, wie gut, dass ich vorher noch ein Kanelsnurrer und ein Wienerbrød gegessen habe, sonst wäre ich bestimmt weggeflogen. Ich hätte noch viel weiter gehen können, irgendwann sehe ich die Stadt kaum noch, sondern kann ganz weit in die Lyngen Alpen blicken, irre! Zurück gehe ich nur bis zur Gondelstation und bin in kaum 5 Minuten wieder unten, schon komisch, aber rauf habe ich mich sehr gerne etwas gequält :) Abends geht es noch in die Stadt, das Kulturfestival ist zwar ausverkauft, aber ein wenig Musik bekomme ich noch mit, bevor es dann ins Kino geht.

Der Sonntag beginnt zunächst traurig, da ich auf die Trauerfeier für Kong Harlald gehe, im ganzen Land finden um 11 Uhr Gottesdienste statt. Das ist wirklich unglaublich, wenn man überlegt, dass das ganze Land trauert. Für welche Persönlichkeit würden wir das in Deutschland machen? Vor der Domkirche liegen viele Blumen, Fahnen und persönliche Briefe. Mittags gehe ich noch etwas essen, langsam entwickelt sich mein Appetit zur Raupe Nimmersatt, da geht gerade so einiges rein und auch beim Fußball esse ich natürlich noch ne Waffel, Bier gibt es leider nicht. Das „Stadion“ des TIL fasst gerade mal 6691 Plätze, es liegt mitten im Wohngebiet und einige Nachbarn können direkt von ihrem Balkon zusehen :) Ganz voll ist es nicht, aber es wird natürlich auch dem König gedacht und sogar die Nationalhymne gespielt. Keine 50 Gästefans sind angereist, die stehen irgendwann im Regen, da diese Tribüne kein Dach hat. Wenn die Gäste wirklich aus Sarpsborg kommen, dann haben sie eine Anreise von 1700 Kilometern! Bei den Anfeuerungen der Heimfans bekomme ich mich dann auch nicht mehr ein: „Heja TIL fra Tromsø“ – das klingt doch fast nach Heja BVB :)


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