Ruska im Dreiländereck 31.08./01.09.

Veröffentlicht am 4. September 2026 um 17:28

Auf der Fahrt von Tromsø ins ca. 200 Kilometer entfernte Kilpisjärvi, welches im Dreiländereck liegt, ist es bewölkt. Die Wolken hängen ziemlich tief über den Fjorden, was das Wetter doch sehr atmosphärisch aussehen lässt. Es scheint ein wenig „unlogisch“ zu sein, dass ich nun wieder etwas zurückfahren muss, ging aber mit dem Fußballspiel nicht anders und finde ich auch nicht so tragisch. In Kilpisjärvi angekommen stelle ich fest, dass es bereits eine Stunde später ist, an die Zeitverschiebung hatte ich nicht gedacht, aber ich muss mich erst stärken bevor es dann um high noon auf den Gipfel des Saanas geht (1029 m). Die Farben sind in dieser Region so vielfältig und die Ruska ist in vollem Gange, so viel gelb, rot und orange habe ich noch nicht gesehen. Komisch, dass die Wälder fast nur aus Birken bestehen und sie sich alle in einem unterschiedlichen Stadium befinden, einige sind sogar noch grün. Ich habe ganz gutes Wetter erwischt, denn die Sonne kommt sogar ein wenig raus. Auch auf den Saana gibt es kurzzeitig eine Treppe, davon bekomme ich echt langsam die Krise, ich merke meinen Körper nun immer mehr :) Bei der Besteigung dieses Berges hat man immer das Gefühl, dass man gleich schon oben ist und dann ist der Gipfel noch lange nicht in Sicht! Da muss bzw. will ich ja irgendwie durch und werde immer wieder belohnt! Oben angekommen habe ich einen wahnsinnig tollen Rundumblick auf die schneebedeckten Berge Schwedens und die Farbenpracht von Finnland und Norwegen. Von dieser Tour bekomme ich natürlich nicht genug, sodass ich auch noch um den Berg gehe (schließlich hat das vor 3 oder 4 Jahren bereits auch funktioniert – denkste!). Zunächst habe ich eine gute Sicht auf das weite Fjell und begegne natürlich einigen Rentieren. Irgendwann wird die Tour zur Tortur, da ich mir vorkomme als würde ich eine Wattwanderung machen, da der Weg so nass ist bzw. ich von Stein zu Stein springen muss. Zudem weist ein Schild darauf hin, dass der letzte Teil des Weges gesperrt ist – wieso kam der Hinweis nicht vorher? Zurück gehe ich bestimmt nicht mehr, schließlich warten vielleicht nur noch 4 Kilometer auf mich. Ich muss da also durch, im wahrsten Sinne des Wortes, klettere über umgestürzte Bäume, versuche den Weg zu finden, bei dem ich am wenigsten einsinke. Zweimal lege ich mich lang. Nach 16 Kilometern und 6 Stunden habe ich mir die Dusche aber auch wirklich verdient :)

Der Dienstag beginnt eher regnerisch, aber was will ich machen, ich bin ja nun schließlich hier, also heißt es wandern :) Zunächst fahre ich mit dem Boot über den See, um zum Grenzstein zu laufen (das wären hin und zurück 6 Kilometer), aber so einfach möchte ich es mir natürlich nicht machen, sondern ich gehe natürlich die ganze Strecke (15 Kilometer) zurück. Die Bootsfrau fragt mich mehrfach, ob ich das wirklich machen will, ich scheine die einzige zu sein, die das bei dem Wetter tut und geht wie selbstverständlich davon aus, dass ich Norwegerin bin, das nehme ich mal als Kompliment. ALLE (auch wer mit dem Boot) zurückfährt, soll ihr hinterher eine Nachricht schreiben, dass man wieder gut angekommen ist. Irre, vor 5 Jahren hatte da niemand nach gefragt. Die Aussicht während der Wanderung ist natürlich einmalig, immer wieder ziehen die Wolken durch und es ist ein wenig nebelig. Ich gehe durch den dichten bunten Birkenwald, die Wege kommen einer Schlammschlacht gleich oder ich muss über diverse Steine klettern. Zwischendurch passiere ich noch einen kleinen Wasserfall. Ich bin pitschnass als ich am Campingplatz ankomme. Das ist mir aber herzlich egal, ich bin einfach glückselig und so froh gerade hier am richtigen Ort zu sein! Zudem habe ich auf dem Boot und während der Wanderung noch ein paar nette Begegnungen, die beiden Finninnen, die eine 10-tägige Busreise durch den Norden machen, sind ganz fasziniert von meiner täglichen Kilometerzahl, während ich vollkommen beeindruckt von den Weitwanderern bin, die vor 10 Tagen im 180 Kilometer entfernten Abisko gestartet sind.


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