Die Vesterålen bestehen je nach Zählweise aus 4-6 Hauptinseln, sowie aus mehr als 1300 Inselchen. Bereits zum dritten Mal möchte ich diese schöne Inselgruppe entdecken, der Ansturm ist hier bei Weitem nicht so groß wie auf den Lofoten (gut für mich). Am 07.09. fahre ich ca. eine Stunde zum Fähranleger auf der Insel Senja. Auch auf dieser Fahrt muss ich natürlich einige Male anhalten, um auf spektakuläre Berge und Fjorde zurückzublicken. Das geht mir natürlich auch auf der fast zweistündigen Fährfahrt so. Den ganzen Tag nur rumsitzen, das schaffe ich noch nicht, schließlich spielt das Wetter an und für sich nachmittags noch mit, es ist nur bewölkt. Abends wird es hingegen ordentlich regnen und sogar stürmen. Also nutze ich doch meine Chance, um eine kurze Tour auf den 468 Meter hohen Røyken zu gehen. Der erste Teil des Weges besteht aus einer Schotterstraße, danach geht es sehr typisch durch das rotgefärbte Fjell, immer schön schräg am Berg entlang. Wenn ich mich umsehe, dann habe ich Senja noch gut im Blick, vor mir liegen die spitz zulaufenden Berge und auf dem Gipfel kann ich noch viel besser die weißen Sandstrände und das türkisblaue Wasser sehen. Zudem gibt es viele kleine Inselchen, die man durchaus für Wale halten könnte. Auf dem Gipfel pfeift ordentlich der Wind, sodass ich mich hier nicht lange aufhalte. Für den Weg von 4 Kilometern brauche ich 1 Stunde 40. An einem der Sandstrände übernachte ich auch die nächsten beiden Tage, eine Schwimmprobe möchte ich bei 8 Grad Außentemperatur und aufkommenden Regen und Sturm so gar nicht machen :) Bevor ich ins Bett gehe, denke ich, dass das doch Polarlichter sein könnten?! Ähh, nee, da hatte ich mir wohl etwas eingebildet, was jetzt auch noch fehlen würde :)
Auch am Dienstag ist es eher bewölkt, aber ich habe Glück, denn auf der Wanderung zum Måtind regnet es nicht. Diesen Berg habe ich bereits 2022 bestiegen und so habe ich eine schöne Wanderung, bei der ich weiß, was auf mich zukommt und zwar insgesamt 7 Kilometer durch zunächst etwas matschigen Weg, der aber mit Brettern, die die Welt bedeuten, gut ausgebaut wurde. Im Anschluss geht es durch Farn und Birken teils steil nach oben, wer auf 408 Meter hoch will, der muss mit Höhenmetern rechnen. Vor allem machen die sich durch einen kleineren Kletterteil über recht große Steine bemerkbar. Danach ist der Weg wie ein Spaziergang durch die endlose Heidelandschaft, manchmal geht es noch etwas auf und ab und im letzten Abschnitt dann noch etwas steiler nach oben. Auch hier blicke ich auf schroffe Felsen und weiße Strände. Über mir kreist irgendwann einige Zeit ein Adler. „Freiheit, Freiheit, ist das einzige, was zählt.“ Die haben sowohl der Adler als auch ich gerade. Auf dem Rückweg treffe ich noch auf ein Pärchen aus Goslar mit Baby im Gepäck, sie sind das erste Mal in Norwegen und haben so einige Fragen. Drücken sie sich etwa vor dem Geröllteil? Immerhin eine nette Begegnung, bei der ich erfahre, dass es bis August einen Tankrabatt in Norwegen gab, daher sind die Preise also so teuer. Das Wetter ist am Nachmittag eher wechselhaft und auch am Abend schaffe ich es nur kurz den Sonnenuntergang fotografisch einzufangen.
Am Mittwoch halte ich mal die Füße still, das ist für mich total ungewohnt. Auch wenn ich am Wochenende in Tromsø am Sonntag nicht wandern war, habe ich mich durchaus mehr bewegt als heute. Ich fahre von der Insel Andøya in die „Inselhauptstadt“, dort muss ich ein paar Infos in der Touriinfo einholen. Ich erwähne lediglich, dass ich schon das dritte Mal hier bin und ich hab keine Ahnung, ob sich die Mitarbeiterin an mich erinnert, aber irgendwann fragt sie, ob ich hier mittlerweile als Guide arbeite :) In Stokmarknes besuche ich noch das Hurtigruten Museum. Um die Finnmark wurde ein Glaskasten gebaut und das komplette Schiff kann besichtigt werden. Das ist natürlich ganz interessant, da ich ja schon ein paar Mal das Vergnügen hatte, mitzufahren. Abends habe ich dann noch meinen Norwegischkurs per Videokonferenz, das mit der Internetverbindung ist echt ein Trauerspiel, ich hoffe, dass das besser wird, da ich häufiger rausfliege.
Der Donnerstag beginnt auch wieder mit ein wenig Fahrzeit auf eine nördliche Insel. Das Wetter sieht ganz gut aus, teils lässt sich die Sonne auch mal blicken. Auf der Fahrt nach Alsvåg halte ich natürlich ein paar Mal an, um die Landschaft zu genießen. An meinem Einstieg zum Wanderweg fahre ich vorbei. Als ich wenden möchte passiert mir ein blödes Missgeschick, ich fahre in den Graben. Nicht dramatisch, aber ich komme da nicht mehr alleine raus. So viel ums Thema „Auto“ passiert mir sonst NIE! Direkt das erste Auto hält an und die Frau, die bei der Kommune arbeitet, ruft direkt den Abschlepper an. Der ist nach 15 Minuten da. Währenddessen haben 4 norwegische Autos angehalten und gefragt, ob sie helfen könnten. Da sieht man wieder wie nett die hier einfach sind. Nachdem alles mit dem Abschlepper geregelt ist, kann ich dann doch noch meine gut 7 Kilometer lange Tour zum Nonskollen (611 Meter) genießen. Es geht erst durch ein Wohngebiet, dann durch einen verwunschenen Wald mit Moosen, Heidekraut und Birken. Danach geht es kurz über die Skipiste, bevor mir 2 Schafe den Weg weisen. Mehrere hundert Meter begleiten sie mich, laufen immer wieder ein Stück vor, halten an und blicken sich um. Irgendwann muss ich dann alleine weiter. Auch hier offenbart sich die geniale Landschaft erst auf dem Gipfel, viele umliegende Gipfel sehen aus wie Dinos und auch der Blick zurück auf den Fjord ist super, auch kann ich noch auf die Insel Andøya blicken. Nach der Tour fahre ich erst in die Waschstraße, bevor es auf den nächsten Campingplatz mit ebenso spektakulärer Aussicht geht. Die werde ich jetzt schon vermissen, wenn an meinen beengten Findorff Ausblick denke.
Am Freitag scheint den ganzen Tag die Sonne und es werden 15 Grad, das fühlt sich mittlerweile dann doch recht warm an. Ich habe mich ja doch sehr an die üblichen 11 Grad gewöhnt, bei Wind und auf den Bergen natürlich immer irgendwie kälter. Ich muss bis zum Wanderweg in Guvåg eine Weile durch diese wunderschöne Landschaft fahren. Heute geht es auf den Breitind (598 Meter, gut 7 Kilometer insgesamt). Ich parke am Hafen und habe von hier aus schon einen schönen Blick auf die umliegenden größeren und kleineren Inseln. Zuerst führt der Weg fast durch Nachbars Garten, dann über Wiesen, bevor es durch scheinbare endlose Wachholdersträucher geht - jetzt ein Gin, das wärs :) Je höher ich komme, desto besser wird natürlich die Aussicht, nach einem kurzen Stück durch Birkenwald und Heidekraut stehe ich vor dem Berg. Der Weg sieht mal wieder gar nicht so eindeutig aus, führt aber zum Glück nicht unmittelbar steil hinauf, sondern eher im zick zack um den Berg herum. Teils weht ein kräftiger Wind, auf dem Gipfel hält sich dieser tatsächlich in Grenzen, sodass ich auch mal länger hier verweilen kann, um diese geniale Landschaft zu genießen. Einige Berge sehen aus wie Dinosaurier, so spitz laufen sie am Gipfel zu. Ich bin einfach nur fasziniert von dieser wirklich schönen Landschaft und dass ich sie wirklich jeden Tag immer wieder neu sehen möchte. Ich könnte morgens ja auch sagen, dass es auch ausreicht, wenn ich mal einen Berg besteige, aber tatsächlich sieht hier jeder Weg, jeder Berg immer wieder anders aus. Meine Neugier ist einfach zu groß! Kurz vor dem Ende der Tour treffe ich noch einen Wanderer, mit dem ich kurz auf Norwegisch schnacke und auch auf dem Stellplatz im Hafen von Bø komme ich mit den Norwegen ein wenig ins Gespräch (das allerdings mehr auf Englisch). Trotzdem sind sie ganz beeindruckt von meinen Erlebnissen und dass ich die Sprache lernen möchte. Meine Schweizer Nachbarn sind kurz angebunden und sprechen eher mit ihren Hunden. Der Sonnenuntergang lässt sich heute durch die Wolken leider nur erahnen.
Mittlerweile steht die Sonne nur kurz vor mir auf, sie um kurz nach 6, ich um halb 7. Das ist mir so egal, ob es nun Wochenende ist oder nicht. Für mich ist gerade ja immer irgendwie Wochenende. Ich muss nur ein kurzes Stück zum Beginn des Wanderweges auf den Vetten (467 Meter hoch, knapp 8 Kilometer) fahren. Den Berg konnte ich bereits von meinem Stellplatz aus sehen und habe ihn vor ein paar Jahren bereits bestiegen. Auch heute zeigt sich, wie unterschiedlich die einzelnen Wege sein können. Schließlich sind die Touren von gestern und heute von der Kilometerzahl recht ähnlich, aber von der Komplexität sehr unterschiedlich, sodass ich gestern viel mehr Zeit benötigt habe. Um kurz nach 8 bin ich doch schon früh unterwegs, aber selbst um diese Uhrzeit kommt mir schon jemand entgegen! Der Weg führt zunächst auf einer Schotterstraße und danach durch das endlose Heidekraut. Schon nach einem Kilometer ist die erste Hütte passiert, hier gibt es zwar keine Schlafplätze, aber einen Ofen und ein paar Tische und Bänke. Hier muss ich mich nicht schon ausruhen :) Zudem bin ich viel zu früh oben, denn ich bin wirklich überrascht, als ich plötzlich auf dem Gipfel stehe. Der Ausblick ist natürlich wieder einmalig, was soll ich sagen? Trotzdem zieht es mich jeden Tag wieder auf einen neuen Berg, da der Ausblick immer wieder anders ist. Auf dem Gipfel gibt es dann eine weitere kleine Hütte, hier fegt ordentlich der Wind und ich könnte gut und gerne noch weiter gehen, aber ab morgen soll es so richtig stürmen, da möchte ich doch lieber heute als morgen die Fähre aufs Festland nehmen. Auf dem Abstieg plagt mich ein immer größer werdendes Hüngerchen, was weder durch ein Knäckebrot, noch durch einen Apfel befriedigt werden kann (die schiebe ich mir erst gar nicht rein), denn im Ort Bø gibt es einen Diner und um 10:45 Uhr verspeise ich dann genüsslich einen Burger und Pommes :) Da schaffe ich es doch gut über die nächsten 110 Kilometer nach Lødingen. Ich hoffe, dass mein Körper ab November nicht ständig nach Essen schreit, das kann ja nur fatale Folgen haben oder ich muss mich demnächst täglich so viel bewegen. Fähre fahren gehört auch zu eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, auf der einstündigen Fahrt nach Bognes kann ich weiter entschleunigen. Keine Ahnung, wie viele Fähren ich bereits genommen habe und wie viele da noch kommen mögen. Danach geht es noch 40 Kilometer bis zum nächsten Campingplatz. Ich bin fast ein wenig enttäuscht, kein Fjord- und Bergblick, sondern nur Birken und ein kleiner See.
Kommentar hinzufügen
Kommentare