Es ist total unlogisch, dass ich von den Vesterålen direkt aufs Festland übergesetzt bin, schließlich wäre es viel sinnvoller gewesen zuerst weiter auf die Lofoten zu fahren, aber am Montag habe ich eine Karte für Bodø/Glimt und diese Gelegenheit kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Bodø ist bisher eher ein weißer Fleck auf meiner Reisekarte, ich bin 2022 nachts von hier auf die Lofoten übergesetzt, das war`s. Da war der Ort über Norwegen hinaus auch nicht wirklich bekannt, vielleicht nur den Experten. Langsam merke ich nicht nur an der Natur, dass der Sommer vorbei ist, auch die Fährzeiten sind stark eingeschränkt. Mein eigentlicher Plan auf dem Festland erst wieder in den Norden zu fahren und eine andere Fähre nach Svolvær zu nehmen, kann ich vergessen, denn die Fähre hat Winterpause. Also muss ich nun von Bodø die Fähre auf die Lofoten hin und zurück nehmen.
Morgens fahre ich gut 170 Kilometer nach Bodø, in der Nacht hat es ordentlich geregnet und gestürmt und nicht nur die Landschaft zeigt sich auf der Fahrt vielseitig, von rauen und schneebedeckten Gipfeln über ein Meer aus orangefarbenen Bäumen. Es schüttet, manchmal ist ein wenig blau am Himmel auszumachen und auch zeigt sich ein Regenbogen. Als ich in der Stadt bin, setzt ein Platzregen ein. Ich muss erstmal zur Tankstelle und ich hatte seit Tagen kein WLAN mehr, um Fotos hochzuladen und am Blog zu schreiben. Ich harre dann bei McDonalds aus. Im Anschluss fahre ich in die Innenstadt, das Szenario was sich mir hier bietet, kommt einem in Deutschland gleich. Es ist Sonntag und die Geschäfte sind zu, das ist in Norwegen sonst nicht der Fall, wie blöd. Viele Alternativen habe ich nicht und so besuche ich kurz das Nord Norsk Kunstmuseum und bin schockiert über zu viel nackte Haut, da wäre ich mal besser ins Luftfahrtmuseum gegangen :) Heute sind es übrigens unangenehme 8 Grad, die sich bei diesem Wetter wie 4 Grad anfühlen. Regen und Sturm wechseln sich heute gut ab, sodass ich es gut sein lasse und den Nachmittag abhänge, bevor ich abends ins Kino fahre. Die bisherigen Filme Spiderman und Odyssee haben mich mäßig begeistert, wohingegen der norwegische Film „Harila“ über eine Bergsteigerin, die alle 14 Berge über 8000 Meter in Rekordzeit bestiegen hat, aus den Socken gehauen hat. Warum wohl? Lag es am Thema? Auf jeden Fall! Die größte Herausforderung ist eigentlich, dass der Film größtenteils auf Englisch ist und norwegische Untertitel hat, aber auch norwegisch und nepalesisch gesprochen wird. Wir können uns in Deutschland echt glücklich schätzen, nicht immer alles mitlesen zu müssen, geschweige denn, dass ich natürlich nicht alles verstehe.
Ich habe die Nacht auf dem Wanderparkplatz zum Aussichtsberg verbracht. Es war dann ganz praktisch, dass um die Ecke ein Hotel lag, sodass ich mich dort mal frisch machen konnte. Es ist allerdings zu verlockend hier zu frühstücken und das brauche ich nicht lange überlegen, das Wetter ist nur noch bewölkt und es regnet nur noch ein wenig. So habe ich bestes Frühstück bei bester Aussicht. Ziemlich voll trete ich dann meine kleine Wanderung zum Aussichtsberg über Bodø an, auch hier war die norwegische Königin mal wieder wandern. Ihr bin ich irgendwie schon häufig auf Wegen begegnet, zumindest ihrer Widmung. Auf dem Gipfel weht dann noch passend die Fahne von Bodø/Glimt. In der ganzen Stadt sind diese gelb schwarzen Fahnen eher zu finden als die norwegische. Nachdem ich heute dann ein wenig shoppen war (norwegische Bilderbücher haben es mir angetan), parke ich schon mal in der Schlange für die Fähre, diese geht nachts um 1 Uhr, aber es geht erst zum Fußballspiel des 1. gegen den 13. (von 16). Es sind nur 5600 Zuschauer im Stadion, was noch enger im Wohngebiet liegt als in Tromsø, die Hauswände grenzen unmittelbar an das Stadion. 3 Fans aus Sandefjord (1300 km entfernt) sind vor Ort und Glimt macht ordentlich Stimmung (auf und neben dem Platz). Schon irre die Stars aus der Nationalmannschaft (Hauge und Berg) so nah zu sehen. Das Spiel geht glücklich 3:2 aus. Den Schmähgesang gegen TIL kann ich gar nicht gutheißen. Na klar, Tromsø und Bodø sind natürlich verfeindet und die Spiele werden als Arctic Circle Derby oder Staget om Nord-Norge bezeichnet. Heja TIL :)
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