Schlafen in Etappen, keine 2 Stunden vor der Fähre, auf der Fährüberfahrt schaffe ich bestimmt nicht 3 Std. und im kleinen Ort Å vielleicht noch mal 2 Stunden - erholsam war das nicht. Den Ort gibt es auch auf Senja und er ist 100% der kürzeste der Welt :) Nach einem kleinen morgendlichen Spaziergang vor Ort, fahre ich erst an Reine vorbei. Hier ist morgens um 9 Uhr schon so viel los, dass ich hier auf gar keinen Fall länger bleiben möchte. Wie gut, dass ich den Berg Reinebringen bereits 2022 bestiegen habe. Ich hätte keine Lust auf der Sherpatreppe im Stau zu stehen. So geht es für mich einen Ort weiter auf den Tekopstetten, allerdings heute nicht auf den Gipfel. Der Weg besteht mal wieder aus sehr matschigen und sumpfigen Heidekrautfeldern und ziemlich vielen Felsen, die natürlich rutschig sind. Den ersten Teil bis zum See lasse ich mir noch gefallen und versuche immer weiter mein Glück, man weiß ja nie, was man noch sieht oder wie der Weg noch zu schaffen ist. Bestimmt wären es noch 50 Meter zum Gipfel hochgegangen, mir ist die Nummer heute aber zu riskant, sodass ich mich am Ausblick auf die umliegenden Berge erfreue. Schon irre, dass auf den Lofoten sonst so viel los ist und hier habe ich gerade mal 3! andere Wanderer getroffen. Im Anschluss fahre ich noch an einigen schönen weißen Sandstränden vorbei, um natürlich an so einem schönen Ort zu übernachten. Bis zum Nachmittag ist das Wetter ganz in Ordnung, es regnet nicht, bevor es dann mal wieder losgeht. Die Wellen werden auch immer größer. Es ist halt Herbst :)
Wahnsinn, ich stelle am Mittwoch fest, dass ich schon 65 Tage unterwegs bin! Klar, bisher habe ich viel erlebt, aber es kommt mir nicht so lange vor, auch wenn jede Woche so schnell verfliegt. Bevor es morgens losgeht habe ich noch einen netten Schnack mit einem Norweger, der mir in der Mitte Norwegens eine Insel empfiehlt, na mal schauen, ob ich da noch einen Zwischenstopp einlegen werde. Die heutige Wanderung zum Volandstinden (457 Meter; 5,3 Kilometer) ist einfach atemberaubend. Klar, mir gehen ja langsam irgendwie die Superlative aus, nicht nur der Weg ist super (mal wieder Schlammschlacht zu Beginn und Zwischendurch und auch einige steinige Kletterpassagen sind dabei) auch macht es heute das Wetter zu einem echten Erlebnis. Die Wolken hängen so tief, außerdem ist es etwas nebelig, sodass der Gipfel in den Wolken verschwindet. Leider sehe ich also von dort aus nichts, aber die Landschaft verändert sich somit sekündlich. Ich blicke zurück auf einen Fjord mit dunkelblauem und türkisfarbenem Wasser und natürlich gibt es auch hier einen weißen Sandstrand. Ich gehe durch das orange rote Fjell und habe einen super Ausblick auf andere Berge, wenn die Wolken es zulassen. Welch ein Glück ich habe, denn nach der Tour fängt es so richtig an zu regnen, sodass ich nach Nusfjord fahre. Ich wundere mich zunächst, dass ich im Ort keine Parkgebühren zahlen muss, das ist leider an Norwegens Hotspots leider mittlerweile üblich…dafür erhebt das Dorf quasi einen Eintrittspreis für den Besuch des Freileichtmuseums in dem Menschen wohnen. Schon verrückt! Hier ist natürlich gut was los, auf meiner Wanderung habe ich hingegen kaum Leute gesehen. In der Bäckerei kehre ich erstmal ein, bevor es durch das Dorf geht. Es scheint sich ab dem Nachmittag leider wieder einmal einzuregnen.
Am Donnerstagmorgen nieselt es noch ein wenig, aber später lässt sich dann doch noch die Sonne blicken. Das Wetter ist hier auf den Lofoten noch unkalkulierbarer, daher brauche ich mir den Wetterbericht meist eh nicht ansehen. Wie gut, dass early bird schon früh unterwegs ist, aber kurz vor dem Beginn meines Wanderweges stehe ich im Stau! Ein Tunnel wird saniert und daher ist dieser nur einspurig. Heute möchte ich den 436 m hohen Offersøykammen (nur 3,7 km Weg insgesamt) besteigen. Trotzdem dauert die ganze Tour dann doch fast 3 Stunden. Naja, ich habe ja Zeit und es geht doch durchaus steil nach oben, zunächst durch ein kleines Birkenwäldchen, indem mir das Wasser von oben schon wieder entgegenkommt. Der Ausblick über den Ort Skreda mit den alten roten Fischerhäusern auf Stelzen (Rorbu) kann sich bereits nach wenigen Metern sehen lassen und für mich ist es einfach immer wieder genial auf dem Weg kurz anzuhalten, um die weitere Aussicht zu genießen. Oben angekommen bietet sich ein 360 Grad Panorama auf weiße Strände, andere steile Berge und den Ort bzw. die Brücke zur nächsten Insel der Lofoten. Nur zwei Leute sind vor mir auf dem Gipfel und auf dem Rückweg kommen mir ziemlich viele entgegen, es scheint so, als wäre der Bus nun angekommen. Beim Abstieg komme ich mit den Leuten teils kurz ins Gespräch, was ja mal ganz nett sein mag, aber auf dieser Tour dann ein wenig überhand nimmt, als ich kurz vor Ende mir noch anhören muss, dass Deutschland ja keine so hohen Berge hat wie hier – haha :) Abends bin ich fernab des Touritrubels bei einem Konzert (Randi Oline – wer mal was hören mag). Hier sind nur Einheimische, das ist dann wieder ganz nach meinem Geschmack und ich komme ganz nett mit einem norwegischen Rentnerpaar aus dem Ort ins Gespräch. Sie reisen auch gern, sind aber auch nicht allzu begeistert von den vielen Touristen auf den Lofoten. Es wird überlegt eine Steuer einzuführen wie in Venedig, das finde ich nur verständlich. Auf der Rückfahrt ist es bereits dunkel und kurz vor Einfahrt des Campingplatzes denke ich mir, was denn die beiden Fußgänger hier zu suchen haben?! Ein Elch steht auf der Straße!!! Der Kopf des Tieres überragt auf jeden Fall mein Auto, wie gut, dass ich rechtzeitig bremse und das Tier in die andere Richtung verschwindet. Ein Beweisfoto gibt es natürlich nicht, aber die Geschichte könnt ihr mir schon glauben.
Was? Schon wieder Freitag? Mein Lieblingsspiel ist es zu überlegen, wo ich letzte Woche war. Meist klappt das bei einer Woche ganz gut, bei zwei Wochen wird es kniffliger und bei drei Wochen gebe ich auf…Eigentlich soll morgens um 6:29 Uhr die Sonne aufgehen, leider sehe ich davon nichts, trotzdem werde ich heute mit einem schönen Sonnentag bei 3-8 Grad belohnt. Heute steht mir eine fast sechsstündige Gewalttour auf den 931 Meter hohen Himmeltindan bevor, 8 Kilometer werden es insgesamt. Da kann man sich ja mal ausrechnen, wie „schnell“ ich war, jedoch sollte man auch einberechnen, wie krass der Weg war. Zu Beginn geht es ganz nett auf einem Schotterweg einen Berg entlang, die Aussicht lässt bereits jetzt schon keine Wünsche offen, da ich auf einen weißen Sandstrand und türkisfarbenes Wasser blicke. Mal wieder geht es danach durch die matschige Heidelandschaft und dann beginnt der steinige Aufstieg mit kleinen Steinen, die eher lose sind, das wird auf dem Rückweg zu einem wahren „Surferlebnis“. Der Blick auf dem Gipfel auf 3 weiße Sandstrände ist natürlich klasse und auch die anderen Gipfel, die ringsherum zu sehen sind, beeindrucken mich. Es ist so witzig, dass ich heute eine Belgierin wiedertreffe, die ich bereits vorgestern beim Wandern getroffen habe. Oft frage ich mich, wenn ich wieder unten bin, wie ich das Ganze überhaupt geschafft habe. Das Hochkraxeln ist häufig nicht der schwierige Teil, sondern wieder herunterzukommen. Nach der Tour bin ich gut platt und ich halte noch kurz an einem der Strände (Haukland Beach) für einen kurzen Fotostopp, bevor ich zu meinem Campingplatz zurückfahre. Meine „Konzertfreunde“ hatten mich noch etwas vor dem Weg gewarnt: „Da gehst du nur steil hoch und runter und dann tun dir die Knie weh.“ Wie recht sie doch hatten. Abends sehe ich noch einen schönen Sternenhimmel, die Fotos könnten allerdings besser sein :)
Am Samstag fahre ich zunächst fast bis ans nördliche Ende der Lofoten. Das sind 137 Kilometer und dauert gut 2 Stunden. Auch diese Fahrt durch die farbenfrohe Landschaft, wenn sich das Herbstlaub in den Fjorden spiegelt, ist einfach genial. Auf dem Weg steht neben Schafen dann auch noch eine Kuh auf der Fahrbahn. So langsam komme ich mir vor als wäre ich im Serengetipark, aber das ist hier alles noch so viel echter :) Kurz vor Svolvær fahre ich über eine dieser immens hohen Brücken, damit die Schiffe dort problemlos durchfahren können. Heute ist die Wanderung zum Glück nicht so lang und auch nicht so anspruchsvoll (5,3 km auf den 384 m hohen Keiservarden). Tatsächlich war Kaiser Wilhelm II bereits auf dem Gipfel und da er bereits zweimal hier war, gibt es dann auch zwei Gipfelkreuze. Ich stelle fest, dass ich mir gar nicht immer diese anspruchsvollen Touren antun muss (die Erkenntnis hatte ich bereits häufiger, hat sich scheinbar aber nicht manifestiert), um diese wunderschöne Landschaft zu genießen. Auf dem Gipfel komme ich dann noch mit einem norwegischen Asphalt-Manager ins Gespräch, der arbeitet gerade in dem Tunnel mit der Baustelle. Im Anschluss fahre ich ca. 50 Minuten zurück, um für meine morgige Wandertour nicht so einen langen Anfahrtsweg zu haben.
Meine Beine sind mehr als schwer, evtl. hätte ich gestern auf die Tour verzichten sollen…heute geht tatsächlich nichts mehr! Gestern hatte ich schon nach dem „Ermüdungsbruch“ gegoogelt. Zunächst hatte ich überlegt die Tour auf den 788 m hohen Matmora zu verkürzen, denn die Tour hätte an und für sich 9,6 Kilometer betragen und dann hätte ich noch 6 Kilometer auf der Straße zum Auto zurücklaufen können, das schaffe ich nicht mehr. Nicht heute und auch nicht morgen! Wie gut, dass ich maximal spontan bin und um 8 Uhr eine Kajaktour buche, die zwei Stunden später stattfindet. Zum Glück ist es bis Svolvær nicht weit, sodass das auch kein Thema ist. Ganz schön diese eindrucksvolle Landschaft noch vom Wasser aus zu sehen, zudem sitze ich mit Jana, Kinderärztin aus Regensburg, in einem Boot. Sie ist für einen Kurztripp mit ihrer Schwester und Mutter hier und sie ist auch nicht das erste Mal in Norwegen, da können wir uns gut austauschen. Die Mutter hat zudem mal in Bremen gewohnt, wie klein die Welt doch immer wieder ist. Beim Paddeln fahren wir entlang der Rorbu, sehen noch einen kleinen Strand und das Highlight sind auf jeden Fall zwei Seeadler - ich sag ja, Serengetipark. Nach der Tour geht es für mich wieder nach Moskenes, denn morgen früh geht es mit der Fähre wieder aufs Festland.
Schön war es hier, auch wenn ich im Sommer keine Lust hätte noch einmal hinzufahren, da es mir einfach zu voll wäre. Schade, dass es nicht geklappt hat noch einmal in einer Hütte zu übernachten. Auf den Lofoten und den Vesterålen benötigt man noch einen Extraschlüssel für die Hütte und teils muss man noch den Hüttenwart anrufen, um bei ihm zu buchen. Zudem gab es kaum echte Wandermöglichkeiten zur Hütte, da die Wege teils nur 2 Kilometer kurz waren. Ich habe ja noch ein wenig Zeit, vielleicht klappt es demnächst noch einmal.
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