Nachdem ich gestern früh den Sonnenaufgang sehen konnte, regnet es heute am 10.10. mal wieder in Strömen. Ich frage mich, wo der Sonnenschein bleibt, der für heute angesagt ist. Im Auto kann es mir eigentlich auch egal sein. Heute geht es in die Hardanger Region, das einzig spektakuläre auf der Fahrt ist, dass zwei Rehe die Straße queren. Kurz bevor ich mit der Fähre nach Jondal übersetze, tauchen die weißen Berge in der Ferne auf. Was für ein Timing ich doch habe, denn die Fähre kommt gleichzeitig mit mir an. Keine Ahnung, wann die nächste gefahren wäre. Weiter geht es Richtung Folgefonna Gletscher, die Straße zum Gletscher ist allerdings gesperrt, aber ich muss auch vorher links abbiegen und der Weg gleicht mal wieder einer einspurigen Forststraße, wo man in Deutschland auf gar keinen Fall langfahren dürfte. Am Ziel angekommen kann ich mich erst gar nicht entscheiden, welchen Weg ich gehe (Berg oder See) und na klar nehme ich den schwierigeren Bergweg zum Jonstein (8,8 Kilometer mit 652 Höhenmetern für mich). Bei 4 Grad, gefühlt sind es 2, stiefel ich den Berg hoch, der Weg windet sich in Serpentinen um den Berg. Auf einmal liegt Schnee auf dem Weg, das kann ja noch was werden und so ist es auch, als die Schotterstraße endet, wird der Weg doch um einiges schwieriger. Schnee, Matsch und Steine wechseln sich ab, bzw. sind natürlich zugleich zugegen. Als es kletteriger wird habe ich meinen persönlichen Gipfel erreicht, vielleicht wären es noch 2 Kilometer gewesen, aber nicht für mich. Im Nachgang schaue ich auf die Wetterapp und die hatte für gestern 5-15 Zentimeter Schnee angekündigt. Also 5-10 Zentimeter lagen hier auf jeden Fall. Die Aussicht auf das Tal und die umliegenden schneebedeckten Berge reichen mir aber auch so aus. Ich fahre noch weiter nach Rosendal, vorbei am Bondusvatnet, dem Gletschersee, wo ich bereits zweimal wandern war, und sehe abends mal wieder einen ziemlich klaren Sternenhimmel.
Am Sonntag muss ich nur 15 Kilometer weiter südlich zu meinem Wanderweg zum Manen (1014 Meter) fahren. Auf dem 3,6 Kilometer langen Hinweg denke ich häufiger ans Umkehren, wie gut, dass ich das nicht gemacht habe! Mein Energielevel ist echt low, kein Wunder, vielleicht stecken ja bereits 700 oder 800 Kilometer in meinen Waden, Oberschenkeln und zig Höhenmeter in meinen Knien. Zunächst führt der Weg an Wohnhäusern vorbei, bevor es auf einem kurzen steilen Feldweg in den Wald geht. Die erste Herausforderung zeigt sich dann, als ich einen Abhang hochstiefeln muss, typisch Norwegen eben. Danach gelange ich in einen maximal verwunschenen Wald, hier könnte gerade noch die Gummibärenbande durchgehüpft sein, einige Bäume sind so stark mit Moos überzogen, dass sie aussehen wie der Grinch. Hier muss ich mich teilweise ganz schön durchs Unterholz kämpfen, muss wohl daran liegen, dass es hier viele Wege und kaum mehr Markierungen gibt. Warum habe ich denn keine Machete dabei, frage ich mich oft. Doch bereits nach diesem ersten Kampf kann ich bereits die gegenüberliegenden Berge sehen und habe einen fantastischen Blick auf das Dorf und den Fjord. Nach einem Kilometer war bereits eine Stunde rum. Das konnte ja was werden und so ging ich weiter durch Morast und glitschige Steine und teilweise 30% Steigung und auch auf diesem Teilstück, also dem zweiten Kilometer dachte ich noch häufig ans Umkehren, denn der Gipfel war ja immer nur die halbe Miete und auf diesem Stück wieder zurückzugehen, würde auf jeden Fall anstrengend werden…Dann sah ich auf einmal meinen Berg, den Manen, oha! Es ging weiter über Felsen, wurde teils klettrig und eigentlich war ich hier schon „gut durch“, aber nun wollte ich hoch, einfach alles sehen! Ich nahm gar nicht wahr, dass ich bereits den Gletscher sehen konnte. Auf dem Gipfelplateau entfuhr mir ein Jubeln, ich hatte es geschafft :) Ich genoss zunächst den Ausblick, machte ein paar Fotos und kletterte nach 25 Minuten wieder zurück. Einige Stellen ließen sich nur noch rückwärts oder auf allen Vieren bewältigen, in der Ferne hörte ich einen Hubschrauber und wäre gerne mitgeflogen. Im Wald rutschte ich noch ein paar Mal weg, legte mich einmal richtig lang. So fertig war ich schon lange nicht mehr und trotzdem, auch wenn es nicht so scheint, war ich irgendwie froh weitergegangen zu sein, um einfach auch mal wieder oben auf dem Gipfel zu stehen. Egal, wie lange das dauert, denn für 7,2 Kilometer und fast 1000 Höhenmeter habe ich dann 7 Stunden gebraucht. Mein Plan weiter nach Odda zu fahren verschob ich dann auf morgen.
Am Montag fahre ich zunächst nach Odda. Vorbei mit kurzem Gletscherblick, bevor es durch den 11 Kilometer langen Folgefonna Tunnel geht, der ist teils blau beleuchtet, damit man sich im Tunnel auf der Fahrt nicht zu sehr langweilt. Ich sehe in einer Tunnelnische schon ein T-Rex Skelett, was sich nach eingehender Recherche im Anschluss, aber nur als eine Einbildung darstellen muss oder ist das schon der Hinweis auf meine schwächlichen T-Rex Arme? Leider hat die Touriinfo heute geschlossen und so beschließe ich mal im Rathaus mit Bibliothek nachzufragen. Hier erlebe ich mal wieder ein norwegisches Beispiel für Gastfreundlichkeit und daher liebe ich dieses Land auch so sehr. Die Mitarbeiterin im Rathaus ruft eine andere an, die mich zur ca. 200 Meter entfernten Info bringt und mir Material aushändigt. Überlegt mal, wie die Situation in Deutschland ausgesehen hätte…Heute geht es für mich zum Gletschersee Buerbreen oder in dessen Nähe. Die Tour wird als „middels krevende“ (2,9 Kilometer ein Weg) eingestuft und ich muss wirklich daran zweifeln. Der Weg ist zwar nicht steil, nach großen Steinen und ein paar Brücken ist dann wirklich klettern angesagt. Es geht über glatten Fels, zur Sicherheit sind Ketten angebracht, an denen man sich hochziehen kann. Sonst würde man hier weder hoch noch herunterkommen. Der Ausblick auf den Folgefonna Gletscher mit Wasserfall ist auch hier genial, doch irgendwann hat die Kletterei auch für mich ein Ende. Ich stehe vor einem 8-10 Meter hohen Felsen und da hängen 2 Ketten herunter, da machen meine T-Rex Arme auf gar keinen Fall mit und ich gehe wieder zurück. Im Anschluss der Tour stellt sich die Frage, ob ich nach Norden oder Süden fahre, um die Hardangervidda zu queren. Ich entscheide mich für den Süden, da es hier noch mehr Wege geben soll und der Weg zum Gaustatoppen nicht so weit ist.
Es hat die ganze Nacht geregnet und die Vorhersage sagt heute nichts anderes voraus, aber das Glück ist ja bekanntlich „mit die Doofen“, also mit mir, denn ich werde weder auf meiner heutigen Wanderung noch bei diversen Fotostopps auf der anschließenden Fahrt nass! Ich wache allerdings mit Halsschmerzen auf. Die Frage, die sich beim Frühstück stellt (hier regnet es noch) should I stay or should I go? Bei mir stehen die Zeichen auf go und so entscheide ich mich für den kurzen (1,75 Kilometer pro Strecke) und knackigen Weg am Langfoss Wasserfall, auch hier sind mal wieder 600 Höhenmeter insgesamt zu bewältigen. Nur mit meiner Kamera und 2 Halstabletten bewaffnet schleppe ich mich die Sherpatreppen hoch. Ich habe schnell einen schönen Blick auf den Fjord und das gegenüberliegende Dorf mit Wasserfall, sehe aber auch die dunklen Wolken. Auf 300 Metern gibt es einen weiteren genialen Blick mit Aussichtsplattform auf den Fjord und den Wasserfall, diese gibt mir leichte Titanic Vibes :) Hier hätte ich recht entspannt wieder heruntergehen können, aber warum? Ich will einfach noch mehr sehen und so geht es noch steiler, ohne die netten Stufen, die bei mir aber auch „Knie auslösen“, durch den Wald. Es geht, typisch Norwegen, über Stock, Stein und Felsen. Oben angekommen sehe ich kaum noch etwas vom Wasserfall, jedoch kann ich die gegenüberliegenden Berge besser sehen und nun auch Teile des Folgefonna Gletschers. Schon krass, wie groß, dieses Gebiet ist und ich den Gletscher nun von 3 Seiten sehen konnte. Auf dem Rückweg sehe ich mal wieder einen Regenbogen und unten angekommen ist dann schon Mittag. Nach einer kleinen Stärkung geht es für mich erst Richtung Odda, bevor ich dann in die spektakuläre Bergwelt abbiege. Hier liegt Schnee, aber es sind 3 Grad und es regnet bzw. schüttet. Tief in den Bergen kurz vor Haukeli finde ich meinen Übernachtungsplatz. Die DNT Fjellstue bietet hier an auf dem Parkplatz zu stehen und das Bad zu benutzen. Neben meinen Wildübernachtungen wird das die günstigste Übernachtung werden. Den Nachmittag verbringe ich lesend bei Kaffee und Kanelsnurrer in der Fjellstue. Ganz schön kaum etwas zu tun, kam vielleicht manchmal zu kurz, wenn die Wanderungen so lang waren. Um mich herum schnacken die Bewohner und Leute von der Baustelle norwegisch, ich fühle mich gerade richtig heimisch und denke mit Wehmut an meine Rückreise.
Ich wüsste nicht, ob es gestern Nachmittag oder Abend mal aufgehört hätte zu regnen. Es hat auch die ganze Nacht gestürmt und geregnet. Nun hat mich leider die angekündigte Erkältung erwischt. Wie schön wäre es gewesen hier auf über 1600 Metern bei Schnee wandern zu gehen? Meine Tour hätte nämlich kaum Höhenmeter gehabt! Zudem verschwinden um kurz nach 8 Uhr die Wolken und die Sonne lässt sich langsam blicken. Tagelang kann ich meine Erkältung hier auch nicht aussitzen und so fahre ich durch teils schneebedeckte Bergwelt, an Skigebieten und wenig später an Feldern und Fjorden vorbei. Ich fahre nach Rjukan, die UNESCO Welterbestadt, die entweder durch ihre Vergangenheit mit schwerem Wasser bekannt ist oder dadurch, dass in diesem Tal nie im Winter die Sonne schien, bis ein riesiger Spiegel auf dem Berg installiert wurde, sodass im Winter auf dem Marktplatz die Sonne scheint. Für mich ist es einfach der Ort in der Nähe des Gaustatoppen (1883 Meter hoch, mit Blick auf 1/6 des Landes). Zu gern wäre ich hier wie 2022 hochgelaufen, allerdings ist bei Schnee diese 12 Kilometer Wanderung mit gut 700 Höhenmetern nicht zu unterschätzen. Das habe ich auch im April letzten Jahres feststellen müssen, als ich bis zum Knie im Schnee feststeckte, da blieb mir nur umgehen und die Bahn zu nehmen. Auch heute war dies meine Alternative, durch den Gausta führen nämlich 2 Bahnen, die einen fast an den Gipfel bringt. Ich hatte um 13 Uhr die beste Uhrzeit erwischt, denn keine Wolke war am Himmel zu sehen, der Ausblick war mal wieder genial und so verbrachte ich tatsächlich fast eine Stunde auf dem Gipfel, bevor ich wieder herunterfuhr, trotzdem war ich ein wenig traurig, dass ich mir den Berg nicht selbst erarbeitet hatte. Im Supermarkt scheint der Winter bzw. Weihnachten nun auch vor der Tür zu stehen. Vor ein paar Wochen habe ich nur Kakemenn gesehen, nun sind auch Pfefferkuchen, Adventskalender und Weihnachtsmänner im Angebot.
Am 15.10. lege ich einen Pausentag ein, ich hatte es am Vorabend noch nicht einmal mehr geschafft am Norwegischkurs teilzunehmen. Ich stehe ohne Wecker auf und wusste nicht, wann ich das das letzte Mal getan hatte (Neujahr?). Ich schlief bis 9 Uhr und hatte an meinem Pausentag doch mehr zu tun als gedacht. Alleine 3 Stunden verbrachte ich damit Texte zu schreiben oder Fotos hochzuladen.
Irgendwie ging es mir besser, aber für großartige Touren war ich noch nicht wiederhergestellt. In dieser Warteschleife des Ausharrens konnte ich aber nicht so bleiben, anstatt weiter in den Süden zu fahren, um in der Landesmitte zu wandern, wollte ich heute zunächst die Umgebung besser kennenlernen und am Samstag nach Oslo fahren. Oslo stand eigentlich gar nicht auf meinem Plan, es sei denn, ich wäre von hier mit der Fähre zurückgefahren. Ich fuhr morgens noch ein wenig weiter in die Berge, bei einer scharfen Linkskurve kam ich gar nicht in einem Zug rum und auch der Weg schien in den Wald zu führen. Es sollte eine 6 Kilometer Tour auf den Numedalshovda mit wenig Steigung (333 Meter) werden. Ich versuchte möglichst langsam zu gehen, um mich nicht zu sehr zu verausgaben und der Weg war an und für sich nicht besonders schwer zu begehen, auch wenn dieser teils gefroren war oder am Berg noch ein paar Schneefelder lagen. Schnell hatte ich einen genialen Blick auf den schneebedeckten Gausta und über die Weite des Fjells. Das zwar alles schon am Fuße des Berges, aber ich musste irgendwie hoch :) Nur auf dem Rückweg vermasselte ich mir ein wenig Tour, irgendwie bog ich zu früh links ab, was zur Folge hatte, dass ich mich verwandert habe, nicht verlaufen, denn ich wusste ja immer noch, wo ich war. Ich musste nun leider einen großen Bogen gehen, teils auf der Straße, um wieder zum Auto zurückzukommen. Mein Umweg kostete mich bestimmt noch weitere 1,5 Kilometer. Im Anschluss fuhr ich wieder zu meinem bekannten Campingplatz, da ich keine Lust auf eine weitere Autofahrt hatte.
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