Wie gesagt, Oslo stand nie wirklich auf meiner Reiseliste, es sei denn, ich hätte von hier aus die Fähre nach Kiel genommen. Schließlich war ich bereits 2022 hier und habe das übliche Touriprogramm mit vielen Museumsbesuchen absolviert. Nun konnte ich nicht länger auf meine nächste Wandertour warten und hoffte mit dem Abstecher nach Oslo ein wenig gesund zu werden. Sowohl am Vorabend als auch an diesem Morgen sah ich hier in Austbygdi einen genialen Sternenhimmel, so viele Sterne und so klar hatte ich diesen auf dieser Reise noch nicht gesehen. Gut 160 Kilometer sind es noch bis Oslo, bei meiner Fahrt durch den frostig kalten Herbstwald kann ich noch einmal den weißen Gaustatoppen sehen. Bis Drammen ist alles ziemlich einsam und dann nur noch Häuser ohne Ende und ich bekomme ein wenig die Krise bei so viel Verkehr. Zunächst fahre ich zum Holmenkollen, das Skimuseum lasse ich dieses Mal aus und laufe nur ein wenig über die Anlage. Hier wird natürlich wieder Sport getrieben, ob Joggen oder Skiroller fahren. Einige Verrückte nutzen die Zip Line, um sich von der Schanze zu stürzen. Die Sonne scheint und ich habe einen schönen Ausblick auf die Stadt. Mein Campingplatz ist nicht weit, aber ich mache mich auch dort schnell vom Acker, da ich natürlich in die Stadt will. Das dauert mit den Öffis dann doch wieder 45 Minuten. Auf der Oper, ja, in Oslo gleicht sie einem weißen Gletscher, den man begehen kann, schlendere ich zunächst umher und muss aufpassen nicht von den Möwen attackiert zu werden. Daher sieht der Gletscher auch mittlerweile gar nicht mehr so weiß aus. In der Innenstadt ist es total voll, klar Samstagnachmittag und im Süden, also irgendwie alles ab Trondheim, scheinen die Geschäfte sonntags nun eher geschlossen zu haben. Auch schaue ich noch beim Schloss (der König ist Zuhause) und Vigelandspark (hier gibt es viel nackte Haut bzw. Stein) vorbei, auch hier zeigt sich der Herbst in voller Pracht bevor es in den Stadtteil Grünerløkka geht, eher normal und alternativ. Auf dem Straßenbahnplan habe ich übrigens gesehen, dass es eine Haltestelle gibt, die Grønland heißt, dafür gibt es in Bergen eine Haltestelle namens Florida, wo man überall wohnen kann, ich sage nur Schwachhausen :) Zurück geht es in der Dämmerung bzw. im Dunkeln, ist für mich auch irgendwie früher, denn ich habe nur meine Sonnenbrille dabei. Ich sehe ein wenig aus wie Ray Charles, der die Straßenbahn benutzt.
Ich habe festgestellt, dass ich in allen größeren Städten auch wandern war, also in Tromsø, Bodø, Trondheim und Bergen, also darf Oslo dem in nichts nachstehen. Dafür fahre ich mit dem Linienboot auf die Insel Lindøya, die direkt im Oslofjord nur 12 Minuten Fahrt von der Stadt entfernt liegt. Ich laufe durch ein kleines Wäldchen und an süßen kleinen und bunten Sommerhäuschen vorbei, alle haben wirklich einen tollen Blick, sei es auf die Stadt und/oder auf weitere Inseln, ein Traum! Die salzige Luft, die ich hier schmecke, erinnert mich wieder an die Lofoten. Es kommt mir so weit weg vor. Bei meiner Tour um die Insel schaffe ich also fast 4 Kilometer :) Zurück fährt das Boot nicht direkt, sondern steuert noch die anderen kleineren und größeren Inseln an. Nach einem kurzen Abstecher in der Nationalbibliothek fahre ich zur Markthalle, um dort etwas zu essen. Scheinbar habe ich heute nicht nur ein Déjà-vu, sondern gleich mehrere, denn ich fühle mich an die Markthalle in Tallinn erinnert, wann war das nur? Nachdem ich meine Fotos durchstöbert habe, stelle ich fest, dass es der 25.07. war, also eine ganze Ewigkeit her, kommt mir fast vor wie in einem anderen Leben. Das Leben vor dem 14.07. ist also ganze zwei Leben her – oder so. Dadurch, dass Grünerløkka nicht weit ist, schlendere ich hier noch einmal durch die Straßen und über einen Flohmarkt bzw. Bauernmarkt. Bis zum Fußball habe ich noch Zeit und so gehe ich schließlich fast eine Stunde bis zum Stadion, die 10 Kilometer könnten mir trotz Öffis heute sicher sein. In 2 Tagen wurde ich übrigens 2x in den Öffis kontrolliert, wo gibt es das? Ich bin fast schon zur richtigen Stadionhopperin geworden, zudem sehe ich Bergen nun auswärts. Sie spielen nicht ganz so schlecht wie letzte Woche, aber Oslo hat sich die 3 Punkte mit einem 3:1 verdient und hat (na klar auch wegen des größten Stadions) die lautesten Fans. Dafür macht Bergen die besten Banner.
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