Der Abreisetag ist nicht wirklich spektakulär, ich bin bereits um halb 5 wach und konnte nicht wirklich gut schlafen. Immerhin schaffe ich es bis 11 Uhr die Zeit zu vertrödeln, bevor ich noch einmal eine letzte Einkaufstour starte. Am Donnerstagabend sehe ich noch einmal einen schönen Sternenhimmel, bevor sich die Fahrt am nächsten Tag wie Kaugummi zieht, das mag natürlich auch an meinem Tempo liegen. Ich fahre wie bei den Schtis nur mit 90 bzw. 100 km/h über die Autobahn, ich will einfach noch nicht zu früh ankommen. Auch der letzte Tag meiner Reise ist dann doch aufregend, ich komme in kurz nach 7 Uhr Zuhause an und freue mich über einen Parkplatz fast vor der Haustür (in Freimarktzeitzeiten nicht so leicht) und wundere mich doch wieder, was hier alles so abgeht. Eine lange Schlange ist vor dem Bäcker zu erkennen, niemand sagt „God morgen“, „Hei“ oder noch nicht einmal „Moin“. Um kurz vor 12 Uhr parkt ein E-Auto vor der Zapfsäule, als ich die Frau darauf anspreche, dass man dort nicht parkt, werde ich erst angeschrien und die Frau genießt ganz langsam wegzufahren. Klar, das sind nur Momentaufnahmen, aber ich denke, dass jeder diese Momente kennt, wenn man mit einem Strahlen aus dem Urlaub kommt und auf die harte Realität trifft.
Die letzten Tage sind mir wirklich schwer gefallen, ich hatte eine fantastische Zeit in Norwegen, wobei ich die Wochen im Baltikum und in Finnland nicht missen möchte. Schließlich habe ich das Gefühl dort immer mehr Rentiere aus geringer Entfernung zu sehen. Mir ist es schon immer schwer gefallen nach 6 Wochen die Heimreise anzutreten, aber nach dreieinhalb Monaten habe ich mich auf meiner Reise wohlgefühlt und weiß, dass jeder Urlaub danach nie wieder so sein wird. Wer erlebt schon einen Wechsel der Jahreszeiten auf einer Reise? Ich bin 12706 Kilometer gefahren, vielleicht waren es am Ende 800-900 gewanderte Kilometer, das ist mir gar nicht wichtig das zu wissen. Jeder entdeckte Kilometer war es wert!
Ich werde in den nächsten Tagen und vielleicht Wochen so vieles vermissen, wilde Natur, Verständnis für den Umgang mit der Natur, das freundliche und nette Geplauder mit scheinbar immer gut gelaunten Menschen. Die Frage ist auch, was wird bleiben? Ich habe nun noch 3 Monate dies herauszufinden und freue mich hier auf Begegnungen mit bekannten Menschen und wer weiß, vielleicht bin ich schon wieder schneller im hohen Norden als ich es mir vorstellen kann.
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